Requiem auf eine Schlacht
Es verspricht kein besonders lustiger Abend zu werden. Bereits im Durchgang zur Hinterbühne werden die durch Fackeln illuminierten Besucher mit Geschrei und Gewimmer aus Lautsprechern begrüßt. Am Wegesrand backen Frauen Teigfladen, und das Ensemble wird mit Grabsteinen vorgestellt, zwischen denen aber auch die Namen toter Frauen von sozialen Protesten weltweit zu finden sind.
Auf der Hinterbühne ist der eiserne Vorhang mit Plastikfolien verhangen, auf die der Stücktext in drei Sprachen aufgebracht ist, was dezent auf das Besondere dieser Inszenierung von «Die Frauen von Troja» am Theater Altenburg-Gera hinweist.
Denn Regisseur und Schauspieldirektor Bernhard Stengele hat nicht nur eine modern daherkommende Übersetzung durch den Antikenexperten Ulrich Sinn anfertigen lassen, sondern mit dem Euripides-Abend auch eine internationale Koproduktion aus der Taufe gehoben. Unterstützt durch die Kulturstiftung des Bundes kommen auf der thüringischen Bühne Schauspielerinnen und Schauspieler aus der Türkei, Griechenland, Burkina Faso und Deutschland zusammen, um gemeinsam das Elend des Krieges zu beklagen: «Grausam ist der Krieg! Grausam sind seine Folgen!» Das ist das immer wiederkehrende ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Chronik: Altenburg/Gera, Seite 63
von Torben Ibs
Die Kamera bewegt sich durch die Straßen der Stadt. Ortskundige erkennen irgendwann, wohin die Reise geht: Die Kamerafahrt führt hinaus ins Krankenhaus Lainz, am südwestlichen Rand der Stadt. Auf der dortigen Komastation liegt die 25-jährige Balletttänzerin Karin Anna Giselbrecht seit drei Jahren im Wachkoma.
Auf dem Weg zu ihr erzählen Inserts ihre Geschichte. Wir...
Dass dem erotischen Kapital eine Schlüsselrolle bei der Erwirtschaftung sozialer (und ökonomischer) Rendite zukommt, ist spätestens seit Michel Houellebecq im breiten öffentlichen Bewusstsein angekommen. Während allerdings dessen humane «Elementarteilchen» anno 1998 an ihren marktwertmindernden Altersfalten und -speckröllchen noch in weitgehend analoger...
Die besten Jahre sind vorbei, die Frau ist tot, die Rente ist da. Tony Webster hat Pech, der Historiker ist zu intelligent für die kleine Restexistenz in seinen bescheidenen vier Wänden, die er sich doch eigentlich wünscht. Er muss denken; er kann nicht anders, als sich zu erinnern.
Er macht das, wo sonst, bei sich zu Hause. Hier führt er zwischen Schreibtisch,...
