Regie an Musik: bitte antworten
«When the music’s over turn out the lights …»
The Doors
Am Ende liegt Tristan auf dem Parkettfußboden. Isolde hat sich auf das verstellbare Krankenbett geworfen, in dem Tristan zuvor siechend und singend den dritten Akt verbracht hat. Nein, die Liebenden haben nicht zur Vereinigung im Tod gefunden. Das Sterben ist mal wieder nicht gelungen. Die allgemeine Rührung, die Wagners Regieanweisung unter den Umstehenden ausbrechen lassen will, wirkt eher wie eine Beschämung. Sie haben es schon wieder getan. Kurwenal, Marke und Brangäne haben ihren Blick von diesem Schauspiel abgewandt.
Zum ersten Mal in dreieinhalb Stunden sind sie kurzzeitig ganz zu Marthaler-Figuren geworden. Mit hängenden Schultern starren sie eine Viebrock-Wand an, als wär’s ihnen ein bisschen peinlich. Diese Liebestod-Nummer.
Dieser Schluss bleibt einer der wenigen Momente in Christoph Marthalers Inszenierung von «Tristan und Isolde», an dem er größere Eingriffe in die Erzählung wagt und sich gegen die Regieanweisung im Libretto entschieden hat. Über weite Strecken vertraut seine Deutung nur auf die Deutlichkeit von Anna Viebrocks Bühnenbild. Das spielt in bewährter Weise mit dem schönen Muff untergegangener ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der junge wilde Dichter in der ersten Reihe macht einen ausgesprochen adretten Eindruck. Er ist gekämmt und rasiert, er trägt Anzug und sogar Krawatte. Im Grazer Schauspielhaus haben sie gerade sein Stück «Magic Afternoon» gespielt, das Fernsehen ist da, und der joviale Moderator will vom jungen Autor jetzt wissen, was denn der Titel zu bedeuten habe. Dumme Frage,...
Clifford Odets taucht in Schauspielführern nur als Fußnote auf, und sein größter persönlicher Erfolg war wahrscheinlich, dass er vom Femegericht McCarthys frei gesprochen wurde, obwohl er vor dem Zweiten Weltkrieg eindeutig Sympathisant der amerikanischen Kommunistischen Partei gewesen war. Zu dieser Zeit hatte er in New York eine Off-Bühne namens «Group Theatre»...
Das Sommerloch im Theater – die Spielzeitpause ohne Aufführungen – hat längst ausgedient. Wo andernorts Freilichttheater mit publikumswirksam aufbereiteten Klassikern drohen, durften sich die Kölner allerdings zum zweiten Mal ins Ferienlager begeben, um Uraufführungen von jungen Gegenwartsautoren zu entdecken. Einen wunderbaren Blick über die Stadt gab es auf dem...
