Regensburg: Mitleid mit Maxe

Gary McNair «Locker room talk (Was Männer über Frauen reden)» (DE)

Theater heute - Logo

So plump und doof können das Frauen den Männern mit Sicherheit nicht nachmachen. Was da an Stammtischen oder in sonstigen nur dem starken Geschlecht vorbehaltenen Reservaten von der einen Hälfte der Menschheit über die andere schwadroniert und unter beibehaltener Ausschaltung jeglicher Gehirntätigkeit gelallt wird, geht nun wirklich auf kein gegerbtes Leder.

Von dem aber wird gezogen, wenn Männer über Frauen «reden«, was gleichbedeutend ist mit: über sie herzuziehen, sie auf primäre Geschlechtsmerkmale zu reduzieren, Jagdfieber und Beuteschema zu erläutern und recht eigentlich den strammen Maxe raushängen zu lassen.

Der britische Autor und Performer Gary Mc­Nair hat mal all den Schwachsinn aus den Tiefgründen männlicher Konversationskunst gesammelt (hundert Stunden Roh-Material standen zur Verfügung!) und sie zu einem haarsträubenden Sampler der niedersten sexistischen Gruppendynamik gebündelt. Denn tatsächlich fühlen sich die Starken nur unter ihresgleichen wirklich stark; nur wenn sie prahlen können, vermögen sie ihr Selbstbewusstsein, das in der Wirklichkeit vielleicht angeknackst und emanzipatorisch geächtet sein mag, auszuspielen. «Locker room talk» ist der Fachausdruck für ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2019
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Bernd Noack

Weitere Beiträge
Ein Zeitalter wird Geschichte

Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze.
Schiller, Wallensteins Lager, Prolog

Bruno Ganz starb in der Nacht vom 15. auf den 16. Februar. Und noch desselben Tages empfing eine respektvoll erschütterte Welt die Nachricht von seinem Tod. (Thomas Mann, Der Tod in Venedig)

«Er war einer der Größten seiner Zunft», resümierte die «Zeitung für Deutschland» auf...

«Ich bin nicht Jesus»

Wolfgang Kralicek Als der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig im Mai vergangenen Jahres bei Ihrer Kollegin Veronica Kaup-Hasler anrief und sie fragte, ob sie Kulturstadträtin werden möchte, gab er ihr vier Stunden Bedenkzeit. Eine von Kaup-Haslers ersten Amtshandlungen war dann, Sie anzurufen und zu fragen, ob Sie Intendant der Wiener Festwochen werden möchten. Wie...

Nachruf: Der letzte Abend mit meinem Professor

Professor Andrzej Wirth würde ich zutrauen, auch noch nach seinem Tod überraschend aufzutreten. Zwei Tage nach seinem Tod bin ich alleine in meiner Wohnung, die einmal seine war. Ich sitze im Wohnzimmer, das er Studio nannte, und höre die Badezimmertür zuschlagen. Ich schaue nach, aber da ist niemand. Ich laufe ins Arbeitszimmer, das er Salon nannte, in dem jetzt...