Programm: Freiheit
Alles begann Ende der 1960er in einer Münchner Privatwohnung. George Froscher, bis dato an verschiedenen Stadttheatern als Schauspieler, Tänzer und Regisseur tätig und dessen in höchstem Maße überdrüssig, hatte sie zu seinem Studio umfunktioniert (Namensähnlichkeit mit dem berühmten New Yorker Actors Studio durchaus beabsichtigt, die Zielrichtung eher entgegengesetzt). In der Szene galt das Unternehmen bald als Geheimtipp.
Ein Jahr lang trafen sich dort junge Theateraficionados, angelockt von Mundpropaganda, um sich auf den ersten Auftritt des Freien Theaters München (FTM) vorzubereiten, bei dem nichts so sein sollte, wie man es damals auf etablierten Bühnen gewohnt war.
Die Sprache aus dem Körper holen, Denken als physischen Prozess begreifen – wer mitmachen wollte, musste sich erst mal einem speziellen Bewegungs- und Stimmtraining unterziehen. Für viele, darunter auch Kurt Bildstein, Froschers Kunst- und Lebenspartner und unvergleichlicher Hauptakteur für die folgenden 45 Jahre, war es damals eine Initialzündung. Froscher forderte Haltung und machte Theater, das schon in seiner Form Stellung bezog, physische Verausgabung statt psychologische Einfühlung, Sprache und Bewegung als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2016
Rubrik: Nachruf, Seite 71
von Silvia Stammen
Fröhlich tropfen die Flageoletttöne aus der Ukulele. Pling, pling, tropf. Aber es sind keine Töne, die da tropfen, es ist Blut, Blut aus einem abgetrennten Schädel, der an einer Gaspipeline hängt und langsam ausblutet. Ein roter, tropfender Ball. Angeblich hätten russische Freischärler so die Leichen tschetschenischer Unabhängigkeitskämpfer zur Schau gestellt, zur...
Zum Schluss kommen ein Bühnenarbeiter mit Akku-Schrauber und eine Souffleuse auf die Bühne: Man müsse umdisponieren, eröffnen sie der erstaunten Schauspielerin – und diese realistische Bretterbühne endlich entsorgen. Und während die Schauspielerin noch schimpft, dass man ihr mitten in ihre Szene laufe, verschwinden die Pappwand mit dem Wolkenkratzer-Gemälde, der...
Der Nutzen der Kunst besteht in ihrer Nutzlosigkeit: Mit diesem Paradox wollte Adorno die Kunst vor ihrer Vereinnahmung retten – sei es durch die sogenannte Kulturindustrie, sei es durch propagandistisch gestimmte 68er, die jene mit Kunst bekämpfen wollten. Heute, fast ein halbes Jahrhundert später, scheint seine Überzeugung so wenig verbreitet, wie sie es zur...
