Politik der Gefühle
Zu Beginn eine Szene, die an die US-Serie «True Detective» erinnert: Taschenlampen erhellen den dunklen Bühnenraum, geben den Blick frei auf eine unheimlich drapierte Frauenleiche. Eindeutig ein Ritualmord: ausgeweidet wie ein Tier, mit einem Hirschgeweih auf dem Kopf und Runenzeichen am nackten Körper. «Fesseln, Stiche, Folter, nirgends Blut», stellen die beiden Ermittler fest: «Es wird, da bin ich sicher, noch Schlimmeres geschehn.»
Seltsam nur, dass sich Forensiker und Ermittler auf Lateinisch unterhalten (mit deutschen Übertiteln).
Aber schließlich befinden wir uns auch nicht in Lousiana, sondern im Teutoburger Wald. Heinrich von Kleists düsteres Germanen-Drama «Die Hermannsschlacht» (1808) handelt vom historischen Kampf der Römer gegen die deutschen Stammesfürsten; zur Entstehungszeit war das Stück nur unschwer als Reaktion des Autors auf die Niederlage Preußens gegen Napoleon zu dechiffrieren: Mit den Römern waren die Franzosen gemeint, die von Hermann angeführten germanischen Stämme bezeichneten Preußen und Österreich.
Nach etlichen Übernahmen aus dem Münchner Residenztheater gibt Martin Kušej damit seinen Einstand als Regisseur am Burgtheater. Eine überraschende Wahl, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Karin Cerny
Man sitzt auf rotem Samt im Cuvilliéstheater, feinstes Rokoko aus dem 18. Jahrhundert, vorrevolutionär versteht sich, als Fürsten die Kunst gern noch zum Spiegel ihrer Herrlichkeit erklärten. Auf der Bühne vorn an der Rampe aufgereiht vier rote Polsterstühle wie in den Logen, dahinter schwebt eine dunkle Wand, mindestens fünf mal fünf Meter, aus...
Eine Performance von
Nicoleta Esinencu, Antosea Darca und Elena Anmeghichean, Catalina Bucos, Doina-Romanta Dochitan, Nora Dorogan, Ciprian Marinescu, Kira Semionov, Elena Sîrbu, Doriana Talmazan, Artiom Zavadovsky
Unter Anrufung der Geister unserer Mütter und Großmütter befehlen wir die Verdammung der Monogamie
ALLE
Ging das Mädchen seines Wegs
traf die Monogamie...
Ist Yael Ronen plötzlich esoterisch geworden? Schon öfters hat sich die israelische Regisseurin mit dem beißenden Humor jetzt als Schamanin bezeichnet, und wer ihr auf der Straße in Kreuzberg begegnet, sieht sie mit allerlei Klunkern und Ketten behängt. Und jetzt auch noch im Theater: «Rewitching Europe», die Wiederverhexung Europas, nennt sie ihre neueste...
