Offene Wunde
Es ist mein innerlichstes Stück», sagt die 31-jährige Autorin, die im vergangenen Sommer als Nachwuchsdramatikerin des Jahres gewählt wurde und diesen Sommer schon ihr sechstes Stück vorlegt. Sie hat gerade ihr Studium Szenisches Schreiben an der UdK Berlin absolviert und bereits das Reich der Profis erreicht. Spannende Inszenierungen sind aus ihren Texten hervorgegangen: Kriegenburgs «Protection» etwa oder Roger Vontobels «Monsun». Sie hat alle Aufführungen gesehen, und das hat Folgen. In ihrem neuen Stück stellt Anja Hilling den Mehrwert des Theaters noch mehr in Rechnung.
Sie überfordert das Theater im besten Sinne, indem sie nicht nur die dramatische Einheit von Raum, Zeit und Handlung vollends auflöst, sondern auch die Logik ihrer Figuren ad absurdum führt: Es gibt keine Einheit der Handlung mehr, die sich wenigstens am Ende des Stückes behaupten lässt, keine Chronologie der Zeit, die das Erleben nachvollziehbar macht, keine Identität der Figuren, die nicht anzweifelbar ist. Also bewegen wir uns bei der Lektüre im «Chaos der Rekonstruktion», wie die Autorin selbst eine Szene kommentiert, bei der Passanten einen Unfall beobachtet haben, den jeder Einzelne anderes beschreibt. ...
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«Ich habe mich vor acht Wochen in Hamburg mit ‹Nachtasyl› beschäftigt, da habe ich über ‹Nachtasyl› nachgedacht, und vor einem halben Jahr habe ich mich mit ‹Macbeth› beschäftigt, da habe ich über ‹Macbeth› nachgedacht. Und im Moment mache ich wieder was anderes. Und das beschäftigt mich außer ein paar andere Sachen eigentlich den ganzen Tag.
Gleichzeitig habe ich...
«Images of hell. They are silent.»
Es gibt eine Homepage, auf der Menschen aus allen Regionen der Welt Fotos veröffentlichen, die eine kollektive Botschaft verkünden: «We are not afraid.» Wir haben keine Angst – vor Attentaten, vor fundamentalistischem Terror. Interessant ist, dass die meisten Bilder aus Ländern stammen, in denen gar keine Anschläge stattgefunden...
Was unternimmt der noch jugendliche Großkritiker, wenn auf einmal niemand mehr Großkritiker braucht? Wohin verschlägt es den Feuilleton-Star, wenn die Zeit der Edelfedern zu Ende geht? Nicht nur im Theater hat sich seit den Neunzigern einiges geändert, auch am Feuilleton ist der Zug der Zeit nicht vorbeigefahren. Und der Kulturbetrieb im Allgemeinen bietet schon...
