NO FEAR!
Früher, in Hamburg, träumte ich von einem Theater auf der Spitze des Kamerunkais. Es war die architektonische Umsetzung einer Sequenz von Fragmenten aus Hölderlins «Titanen»-Entwurf (z.B. «Und in den Ocean schiffend / Die duftenden Inseln fragen / Wohin sie sind») und vereinte die räumlichen Möglichkeiten für ein Gastmahl (Пир королей) im Untergrund des Jungfrauenklosters, eine Zugfahrt durch die Ebene von Troja und einen erstarrten Ausblick vom Dach der Welt mit anschließendem ungeheuren Sturz, der unmerklich überginge in ein immer unmerklicheres Versinken.
In meinen monumentalhydraulischen Träumen konnte sich sowohl die gesamte Kamerunkaispitze um mindestens 25 Meter aus dem Boden erheben (um alles Untergründige emporzuliften), als auch das ganze Theater von einem geschlossenen Gebäude aus Glas in eine gigantische Freiluftfläche mutieren, mithilfe ebenso enormer wie graziler Seiten- und Rückwände, die je nach Akt und Bewusstseinszustand geräuschlos, aber gravitätisch im Hamburger Hafenbecken versinken konnten.
Kö-Pi-haft strömte und rann und perlte das Wasser dann von den Riesenscheiben, wenn diese sich schließlich langsam wieder aus dem Becken erhöben.
Die Besucher setzten in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 76
von Matthias Pees
Starkes Finish beim Theater des Jahres. Vorjahressieger Münchner Kammerspiele
darf sich über einen sehr verdienten zweiten Platz freuen in der vorletzten Saison von Johan Simons, der schon in jungen Jahren geisterhafte Begegnungen mit legendären Münchner Theatergöttern zu bestehen hatte.
Doch das Rennen ums Theater des Jahres machen die Berliner Newcomer am
Gorki...
Aus zwei verschiedenen Richtungen – wie Wagen in zwei Fahrtrichtungen auf einer nächtlichen Landstraße, die sich für einen einzigen kurzen Moment begegnen und dann aneinander vorbeirauschen –, so laufen die Geschichten und Lebenswege in Christoph Nußbaumeders Stück «Das Fleischwerk» aufeinander zu. Sie streifen, verletzen und verlieren sich. Brutal sind sie alle,...
Maria und Jesus Maria sind Zwillinge. Ihr Vater, ein Spanier, dem sie die Namen verdanken, hat ihre Mutter sitzen lassen und ist längst weg.
Ihre Mutter beginnt zu trinken, und bald wird sie auch von ihren Kindern verlassen. Maria und Jesus Maria landen in einem kuriosen Umfeld als Nachbarn von Madame Bonafide, einer transsexuellen Wahrsagerin, und dem alternden...
