Nemesis der Südsee
«Willkommen hier auf unsrer Insel, die nur zu ihrem Spaß besteht», begrüßen zwei einheimische Animateure, à la Lady Gaga gekleidet, die europäischen Touristen. Eigentlich hätte die Reise für das zerstrittene Lehrerpaar Karl und Karla (Marietta Meguid und Jens Winterstein) ein Urlaub in sonniger Südseeidylle werden sollen. Doch weit gefehlt: «Kein Shoppingcenter, keine Bar», kein Netz – zähe Langeweile liegt über dem Eiland.
Und auch die Online-Redakteure Kevin und Ansgar (Marco Albrecht und Christian Schmidt), die zwischen Palmen und dünn bekleideten Mädchen den Ort für eine perfekte Reisestory erhofften, sind der Ödnis überdrüssig. Dandyhaft plaudern die Reisenden anfangs noch über Dekadenz und Daseinsleere in der modernen Wohlstandsgesellschaft. Was hingegen existenzielle Not wirklich bedeutet, erfahren die Reisenden, als die Einheimischen sie in Geiselhaft nehmen. So viel zur Handlung von Sibylle Bergs bissiger Gesellschaftsfarce «Angst reist mit».
Gemeinsam mit dem scheidenden Intendanten Hasko Weber inszeniert die Autorin nun erstmals als Co-Regisseurin ihr Stück als scharfzüngige Mediensatire: Über den geknebelten Figuren beschallen drei Leinwände frontal den Zuschauerraum. ...
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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Björn Hayer
Sie knistert verheißungsvoll bei jeder Berührung, braucht Raum – mindestens einen Sitzplatz in der U-Bahn, besser noch eine Ecke im Café –, um sich genüsslich aufzublättern und verströmt das unvergleichliche Aroma von frischem Papier, Druckerschwärze und gut gewürzter Geistesnahrung. Bei den Kindern der Post-Gutenberg-Ära könnte eine derartige Beschreibung bald nur...
Schulniveausenker, Frauenschläger und vielleicht sogar spätere Rentenkassierer – über die gewaltbereiten unsozialen Jugendlichen mit Migrationshintergrund lassen wir uns in Deutschland gerne aus. Für die Generation ihrer Großeltern, die als sogenannte Gastarbeiter in den 60er Jahren nach Deutschland kamen, haben wir uns indes nie interessiert, auch nicht im...
«Licht und Finsternis», das heißt in Lars-Ole Walburgs Inszenierung von gleich zwei Tolstoi-Texten an einem Abend ganz pragmatisch oben und unten. Denn Walburg spielt das Drama «Die Macht der Finsternis» und das Fragment «Und das Licht leuchtet in der Finsternis» nicht nacheinander, sondern bringt die Geschichte um einen gut situierten Systemaussteiger und eine...
