Monaden auf dem Catwalk
«Sex». So hat Anne Imhof die Schau genannt, die sie für das Performance-Festival der Tate Modern an Londons Themse-Ufer entworfen hat. Weil sie Einsilber mag, die weite Assoziationsräume öffnen. Wer ihre dreiteilige «Oper» namens «Angst» von 2016 kennt oder 2017 auf der Biennale in Venedig den «Faust» im deutschen Pavillon besucht hat (für den sie den «Goldenen Löwen» bekam), der ahnt: Mit dem Geschlechtsakt hat «Sex» nur abstrakt zu tun. Im Sinne von Grenzerweiterung vielleicht, oder auch Grenzverletzung. Gender-Facetten spielen eine Rolle.
Entgegengesetzte Pole und alles, was dazwischen liegt.
Was sich dem Betrachter im Bauch des Blavatnik-Baus offenbart, ist konsequent auf Kontraste ausgelegt. In einem der beiden umgebauten Heizöltanks der Tate Modern herrscht von Stroboskopblitzen zerrissene Dunkelheit, der andere ist in helles Licht getaucht. Im ersten werden die Besucher auf einer T-förmigen Empore über die Aktionsfläche gestellt, im zweiten können sie sich frei verteilen. Wieder gibt es eine Plattform, diesmal für die Darsteller, die sie allerdings nur sporadisch nutzen. Mächtiges, stumpf-warmes Holz trägt ein schmales L aus Gitterplatten, die beim Beschreiten metallisch ...
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Theater heute Mai 2019
Rubrik: International, Seite 52
von Wiebke Roloff Halsey
Da haben sich Theater und Autorin gefunden: Zum dritten Mal seit 2016 kommt in Baden-Baden ein Stück der Australierin Joanna Murray-Smith auf die Bühne, und nach dem Nachspielen von «Zorn» und der deutschen Erstaufführung von «Switzerland» ist es diesmal sogar eine deutschsprachige Erstaufführung. Dabei hätte «Nur drei Worte» (uraufgeführt 2017 in Melbourne)...
Arbeit am Mythos: Thorleifur Örn Arnarssons «Edda», Staatsschauspiel Hannover
Es fehlt ja immer was. Vielen fehlt die Literatur bei der Theatertreffenauswahl 2019, einer Auswahl, die in mehrerer Hinsicht divers ist, heterogen, die zwar nicht alle, aber doch viele Spielarten und Produktionsweisen des zeitgenössischen deutschsprachigen Theaters abdeckt. Denn das ist...
Aufführungen
Wenn sich Antú Romero Nunes Wilhelm Buschs «Max und Moritz» zur Regiebrust nimmt, ist das Ergebnis nicht jugendfrei: erst ab 16, sagt das Berliner Ensemble! Ganz im Gegensatz zum Theater Dortmund, wo Thorleifur Örn Arnarsson einen «Irrgarten des Wissens» als Sommertheaterspektakel verspricht, «das die Schädeldecke hebt und das Herz im Kreis tanzen...
