Carina Zichner (als die junge Mary) und Sascha Nathan in Tracy Letts' «Eine Frau - Mary Page Marlowe» am Berliner Ensemble; Foto: Julian Röder
Masters of Desaster
Dumm gelaufen. Das Leben war für Mary Page Marlowe kein Lottogewinn. Aufgewachsen in Ohio, Tochter aus der gescheiterten Ehe eines traumatisierten Weltkriegs-Veteranen, hat sie immer in schlechtbezahlten Steuerberaterjobs gearbeitet, selbst zwei gescheiterte Ehen erlebt und zahlreiche Affären. Der endlich geliebte dritte Mann starb früh an Krebs, zu ihrer Tochter aus erster Ehe ist der Kontakt abgebrochen, der Sohn an Drogen gestorben, und bei ihr selbst war da auch noch der Alkohol.
Die robuste Trinkerin landete sogar eine Weile im Gefängnis, weil sie mit 3,2 Promille im Blut einen Mann niedergefahren hatte. Am Ende liegt sie mit 69 todkrank in einem Spitalzimmer und verdrückt ein paar bittersüße Tränen.
Tracy Letts, seit seinem Repertoire-Erfolg «Eine Familie» als lebender Nachfolger von Tennessee Williams und Eugene O'Neill im Fach vollalkoholisch dystopische US-Familiendramen unterwegs, hat sich in seinem neuen Stück einer Frauenfigur gewidmet, zu der ihn seine Mutter inspiriert haben soll. Die Szenenfolge von «Eine Frau – Mary Page Marlowe» springt locker zwischen den Zeiten, greift mal vor und mal zurück, und gibt in einer Szene mit einem Therapeuten auch eine Ahnung ...
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Theater heute Januar 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Franz Wille
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