Mannheim: Hotel Seitensprung
Da das mit der romantischen Liebe schon immer eine Mogelpackung war, schickt Roland Schimmelpfennig drei Paare ins Rennen, deren libidinöser Seelenhaushalt mit ausgeglüht hinreichend umschrieben ist. Die besten Tage haben sie hinter sich, also versuchen sie ihre Serotoninbilanz mit Seitensprüngen aufzubessern. Sechs Menschen betrügen sich über Kreuz und steigen mit den Partnern der anderen Seitenspringer im gleichen Hotel ab, ohne dass sie voneinander wüssten. Der Zufall meint es gut mit ihnen. Plötzlich aber geht kurz das Licht aus. Geht es wieder an, hat Frau Z.
zwei Köpfe, während Herr A. ohne Mund weiter plappert, das Herz von Herrn Y. brennt, Herr Z. ein toter Fisch ist, Frau A. zu Stein wird und Frau Y. sich wie eine Motte fühlt.
Das haben sie nun von ihrer unchristlichen Treulosigkeit, könnte man sagen, wüsste man nicht, dass «An und Aus» als Auftragswerk für das New National Theatre in Tokio geschrieben wurde. Schimmelpfennig bewegt sich in einem anderen Kulturkreis und hatte außerdem zu bedenken, dass 2011 das Kernkraftwerk in Fukushima ausglühte. Das hinterließ Spuren.
Die plötzlich auftretenden Mutationen der Seitensprungkandidaten wirken wie unnütze Einsprengsel, als ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Jürgen Berger
Peter Handke war und ist eine Zumutung für das Theater. Zuerst, in den frühen «Sprechstücken», trieb der Autor es systematisch an seine formalen Grenzen. Seit «Über die Dörfer» (1981) schreibt er dramatische Gedichte, in denen es zwar vergleichsweise konventionelle Dialoge und Figuren gibt, die auf ihre Art aber ähnlich weit weg vom Drama sind wie Elfriede...
Sie ist noch immer flink wie ein Wiesel. Wie sie leichtfüßig die Treppen des Burgtheaters hochhüpft, würde man nicht glauben, dass Elisabeth Orth, ehrwürdige Kammerschauspielerin und Doyenne des Hauses, gerade ihren 80. Geburtstag gefeiert hat. Zum Fotografen meint sie ziemlich direkt, er möge sie bitte weder «plüschig noch neckisch» abbilden, das entspreche nicht...
Drei Männer joggen im Karree. Nach olympischem Übereifer sieht das nicht aus, eher nach dieser Sorte pflichtschuldiger Nachlässigkeit, die zu sehr viel früheren Zeiten dem Kirchgang vorbehalten war. Aber bitte, man joggt.
Man, das ist in diesem Fall Mann, der Scheitel schon schütter, doch die Bauchmuskeln straff, geschuldet hundert Sit-ups täglich. Sagt Mann....
