Mainz: Schlimmstkomische Wendung
«Was im nächsten Moment sein könnte, will man ja nicht wirklich wissen, außer vielleicht es handelt sich um die Lottozahlen.» Das weiß auch Philipp Löhle, dessen neues Stück «Nullen und Einsen» er selbst dann noch mit komischen Geschichten spickt, wenn er sich so einem herben Thema wie der stochastischen Unwägbarkeit des Künftigen widmet.
«Nullen und Einsen» ist ein Spiel mit Lebensentwürfen, das frei nach Dürrenmatt mit schlimmstkomischen Wendungen aufwartet und neun Figuren, parallele Existenzen und diverse Erzählfäden genüsslich ineinander verschlingt.
Besonders hart trifft es den biederen Zahlenanalysten Moritz. Er ist unsterblich in Klara (Johanna Paliatsou) verliebt, die aber will nichts von ihm wissen, obwohl er alles tut, um aufzufallen. Felix Mühlen spielt ihn als verzweifelt ehrgeizigen Malvolio. So einer turnt selbst noch in der peinlichsten Situation strahlend zwischen den Bürotischen und -stühlen, die Franziska Bornkamm (Bühne) exakt arrangiert hat, als sei das Leben eine Lotterie im Großraumbüro.
Jule zum Beispiel wird in einen Unfall verwickelt, ist gar nicht verletzt, landet aber trotzdem in einem Krankenwagen, der kurz darauf mit einem anderen kollidiert. ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Jürgen Berger
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