Männliches Museumsstück
Was für ein moderner Mann. Wechselt die Frauen wie die Hemden und behandelt sie wie Putzlappen, und wenn sie dabei sanften Widerspruch anmelden, haut er ihnen eine «aufs Maul», wie es dann heißt. Der prähistorische Macho, intellektuell bestenfalls auf Tresenhöhe und nicht einmal zu einem kleinen Raubüberfall in der Lage, trifft zumindest bei Molnar auf die Richtige: Julie, eine heiligengleich Liebende, die großzügig duldet, bald schwanger wird und noch postum das Andenken des Schlägers und Säufers wahrt.
Ferenc Molnars «Liliom» hat nach heutigen Maßstäben alle Eigenschaften, um schnellstens vergessen zu werden. Seltsamerweise ist das Gegenteil der Fall. Michael Thalheimers Wiederentdeckung des Stücks 2000 im Hamburger Thalia Theater wurde zum Theatertreffen einladen und hat die «Vorstadtlegende» als eher zeitlos abstraktes Liebesdrama gedeutet mit starker Tendenz zum Verhängnis: Wenn der Gefühlsblitz in menschliche Herzen – oder wo auch immer – einschlägt, fragt man besser nicht mehr nach Gründen. Sondern lässt den Dingen ihren Lauf.
In Dresden scheint man aber wenigstens ein schlechtes Gewissen zu haben, zumindest neigt das Programmheft zur vorauseilenden Entschuldigung: Liliom ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Franz Wille
Der schönste Satz auf diesem großen Festival für neue europäische Dramatik stammte dann aber doch von William Shakespeare, aus «Cymbeline», eingelassen in den belgischen Beitrag «Die Gehängten»: «Golden lads and girls all must, as chimney-sweepers, come to dust.» Ein Vers wie ein Meteor, heiß aufglühend, kalt im Abgang, weit durch die Zeiten geschossen. Vom Tod,...
Die Herren nehmen an der Rampe Aufstellung und machen Front: gegen die Konvention der Konversations-Komödie bis zur vollständigen Niederlage kommunikativen Handelns. Der Erlösung, die in Oscar Wildes «Bunbury» aus Jack Worthing doch noch einen Ernst macht und ihn – demaskiert – der Ehe zuführt, verbietet Thirza Bruncken gewissermaßen den Mund. Die Darsteller...
So etwas kann natürlich auch gehörig schief gehen. Wenn bei angestrengter Gutmenschlichkeit nur noch die pure Ambition zu erkennen ist. Wenn die Bühne zum Infostand wird und das gute Gewissen zum Regiekonzept. Wenn man Hilfsbereitschaft mit Folklore garniert und am Ende multikulturelle Friedens- und Freudentänze aufführt. Wenn man Schwarz-Weiß-Malerei betreibt und...
