Männer und Flaschen
Kurz vor der Premiere muss Richard III. doch noch überstürzt zum Friseur gelaufen sein. Auf den Probenfotos im Programmheft trägt er noch Seitenscheitel zum halblang glatten Haar – wie ein pummeliger Oscar Wilde, der zu lange in den Spiegel geschaut hat. Zum Burgtheater-Rosenkriegsfest erschien er dann allerdings mit kurzem, wildem Stoppelschnitt. So sehen kosmetische Verzweiflungstaten aus, wenn jeder weiß, dass irgendetwas nicht stimmt, aber niemand genau sagen kann, was. Manchmal kennt nicht einmal der Friseur die Antwort.
Shakespeares «Rosenkriege» sind ein stattlicher Vierspänner der politischen Dramatik. Der Aufstieg und Fall der York-Dynastie auf dem englischen Thron beginnt mit dem Tod Heinrichs V., des legendären Frankreich-Eroberers, der zum allgemeinen Unglück nur eine Leerstelle hinterlässt. Sein Sohn Heinrich VI. wird als Kind gekrönt und entwickelt auch in späteren Jahren mehr Lust am Studieren als am Regieren. Während in Frankreich Jeanne d’Arc den Engländern Burg um Burg wieder abnimmt und wackere Feldherrn niederringt, vertreibt man sich in London die Zeit mit Machtspielen und Hofintrigen. Das politische System, in seiner Legitimität nach unten zu den Lords und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Voriges Jahr hat Sylvie Rohrer den Himalaya bestiegen. Im Alleingang, ohne Sauerstoffflaschen. Und das kam so: Im Kasino des Burgtheaters sollte der Schweizer Musiker und Regisseur Ruedi Häusermann die österreichische Erstaufführung von Elfriede Jelineks «Über Tiere» inszenieren. Und er wollte das Stück mit einer einzigen Schauspielerin machen. Bei einem Text wie...
Theater heute«Bunnyhill», das Projekt der Münchner Kammerspiele, das sich 2004 mit der Situation Münchner Jugendlicher im «Problembezirk» Hasenbergl beschäftigte, war die Initialzündung für den Fonds «Heimspiel» der Bundeskulturstiftung. Dieser Fonds fördert Projekte im Stadttheater, die sich explizit auf ihr soziales Umfeld und neue Publikumsschichten beziehen....
THSie arbeiten schon länger für Theater, haben zum Beispiel «Othello» übersetzt oder «Lulu» bearbeitet und vor zwei Jahren mit «Schwarze Jungfrauen», einer Art Interview-Montage, ein neues dokumentarisches Format entwickelt. Ähnlich ist «Schattenstimmen» entstanden, worin es nicht um fundamentalistische Muslimas, sondern um illegale Einwanderer geht. Aber in beiden...
