Letzter Aufstand vor der Wahl

Nach Maxim Gorki: «Nachtasyl Stuttgart» von Volker Lösch

Theater heute - Logo

Dermaßen auf den Premierenabend hin konzipiert war wohl schon lange keine große Produktion mehr, nicht einmal unter den auf schnell aufflammende Empörung zielenden Pfeilen aus dem Köcher von Volker Lösch.  


36 Stunden vor Öffnung der Bundestagswahl­lokale wirkte sein «Nachtasyl Stuttgart von Maxim Gorki und 33 Stuttgarter Bürgern» wie ein letztes Aufbäumen gegen eine neoliberale Wende.

Entsprechend wenig hält sich der Abend mit Uneindeutigkeiten auf – auch dank des Bühnenbilds von Cary Gayler, einem die gesamte Bühne ausfüllenden Wahlplakat mit Merkel-Porträt und dem Slogan «Der Aufschwung kommt» in «Bild»-Typographie. Auf Höhe der Augen durchschneidet eine schmale Öffnung das Plakat – ein Balken über Merkels Gesicht, aber auch Zeichen dafür, wie eng die Spielräume geworden sind. 

 

Anfangs kauert das elfköpfige Ensemble nebeneinander in diesem Querschlitz und donnert die Fabel vom Mann, der an ein Land der Gerechten glaubte und, als ein Gelehrter ihm dessen Nichtexistenz nachwies, erst den Gelehrten erschlug und sich danach erhängte. Eine Warnung vor einem Volksaufstand gegen Verkünder «notwendiger» sozialer Grausamkeiten?  Nur kurz. Denn umgehend verliert die versammelte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2009
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Andreas Jüttner

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aufführungen

Volkstheater-Chef Christian Stückl hat zuletzt in München mit einem jugendfrischen «Richard III.» überzeugt. Jetzt legt er auf der Shakespeare-Spur mit «Hamlet» nach. Mit Shakespeares «Othello» setzt Jette Steckel am Deutschen Theater Berlin die mit «Herz der Finsternis» und Lukas Bärfuss’ «Öl» gestartete Suche nach der Begegnung mit dem Fremden fort, den Mohr von...

Das Rundumglücklichpaket

Klüger und ausgewogener hätte kein Auftakt geplant werden können. Joseph Conrads Weltliteratur «Heart of the Darkness» auf der einen, das Auftragswerk an den Dramatiker Bärfuss auf der anderen Seite. Hier die Romanadaption zur Kolonialgeschichte, dort das zeitgeistige Ehedrama vor dem Hintergrund globaler Ölgeschäfte. Die Reise ins Fremde als Spiegel der eigenen...

Gespenstercomic

«Belebt den Markt! Gründet Unternehmen! Akkumuliert! Bereichert Euch!» –  Was sich anhört wie die Schlagworte der neoliberalen Marktwirtschaft, sind die Slogans der Neuen Ökonomischen Politik (NEP) Lenins. Sebastian Baumgartens Inszenierung bläut sie uns zu Beginn mit Hilfe eines aus historischem Filmmaterial Eisensteins zusammenmontierten Propagandafilms für die...