Land in Sicht
Als Katherine Anne Porters Roman «Das Narrenschiff» 1962 erschien, wurde er in den USA als Jahrhundertwerk bejubelt und bald auf Platz 1 der Bestsellerliste geführt. In Deutschland hingegen wurde der Erfolg des Buchs schmallippig aufgenommen; Kritiker warfen der texanischen Autorin (1890–1980) antideutsche Ressentiments vor. Tatsächlich werden die meisten Deutschen in dem Roman entweder als glühende Antisemiten oder als dünkelhafte Chauvinisten gezeichnet.
Eines aber hat das deutsche Feuilleton übersehen: Nicht nur die Deutschen kommen im «Narrenschiff» schlecht weg, sondern alle Menschen. «Mein Buch handelt von dem fortwährenden, endlosen Zusammenspiel von Gut und Böse», sagte die Autorin in einem Interview. «Ich glaube, Menschen sind fähig zu totaler Bosheit, aber niemand ist jemals völlig gut gewesen. Das gibt dem Bösen einen Vorteil.»
Ein Buch, ein Film: «Das Narrenschiff»
Porters einziger Roman, an dem sie – mit Unterbrechungen – dreißig Jahre lang geschrieben hat, beschreibt eine vier Wochen lange Schiffsreise im Spätsommer 1931, die auf einem deutschen Dampfer vom mexikanischen Veracruz nach Bremerhaven führt (die Autorin selbst hatte damals auf einem solchen Schiff ihre ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Wolfgang Kralicek
Barbara Burckhardt Wir sitzen hier zu viert, zwei Autoren, eine Dramaturgin, ein Regisseur: Das ist die Kernzelle des Writers’ Room, der gerade am Essener Schauspiel nach Shakespeares «Othello» «Das Prinzip Jago» entwickelt. Ulf Schmidt, Sie haben schon vor zweieinhalb Jahren auf der Konferenz der Dramaturgischen Gesellschaft die Idee eines Writers’ Room zur...
Vom Verschwinden» ist der Titel einer höchst verstörenden Theater-Performance, die beim diesjährigen Kunstfest in Weimar zu sehen war. Vom möglichen Verschwinden wurde dort im Thüringischen aber auch noch in einem anderen Zusammenhang gesprochen: Die Zukunft dieses seit 1990 stattfindenden Mehrsparten-Festivals ist ungewiss, und wenn alles schlecht geht, dann wird...
Nach einer guten Stunde ging plötzlich das Saallicht an. Ein Techniker trat bei der Berliner «Empire»-Premiere in der Schaubühne auf die Bühne, erklärte, dass sich der Lichtcomputer irgendwie verschluckt habe und jetzt ein Back-up der Stimmungen einlesen müsse, was zwei, drei Minuten dauern werde, und verschwand. Die Schauspieler nahmen’s gelassen, das Publikum...
