Labor der Vielfalt
Der Zustand der Theater ist Ausdruck der Gesellschaft, von der sie unterhalten werden. Ästhetisch. Strukturell. Organisatorisch. Wie sollte es auch anders ein. Das ist weder gut noch schlecht, das ist einfach so, wie es ist. Das Personal, die ästhetischen wie politischen Programme bilden ab, wie es um die Macht- und Verteilungsverhältnisse in Deutschland, in Europa, in der Welt bestellt ist. Ich kann das Theater nicht ohne seine Einbettung in meine gesellschaftliche Realität denken.
Das ist eigentlich eine Binsenweisheit, aber ich habe das Gefühl, man kann sie gar nicht oft genug aussprechen.
Das heißt, wenn ich über das ideale Theater nachdenke, dann denke ich über dieses komplizierte Wechselverhältnis von Theater und Gesellschaft nach. Das Geld, die Bereitstellung der Mittel, die Realität der Ökonomie ist zugleich Ausdruck und Motor gesellschaftlicher Macht- und Mentalitätsverhältnisse. Herrliche Dialektik. Das heißt: Die Frage, wie das ideale Theater aussehen soll, ist die Frage nach meiner gesellschaftlichen Utopie. Wow. Diese Frage hängt da wie ein Banner aus einer vergangenen Zeit weit oben an einem verrosteten Fahnenmast. Manchmal bläst der Wind rein, aber die Fahne weht ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 36
von Björn Bicker
Im ersten Spielzeitbuch zu Beginn seiner Intendanz 2010 in München ist ein Foto abgedruckt. Es zeigt Johan Simons, der die Maximilianstraße überquert. 45 Jahre früher hat er, Johan Simons, zum ersten Mal die Maximilianstraße überquert. 1965 war das. Johan war gerade mit dem Bus angekommen, stand auf der Maximilianstraße und schaute Richtung Kammerspiele.
Es gab...
Ich stelle mir ein Theater vor, das mit 500 Menschen in einem Original-Gerichtssaal spielt. Ich stelle mir ein Publikum vor, das als Fahrrad fahrende Horde das Leben in einem Park neu choreografiert. Regisseure, die in den Laboratorien der technischen Universität mit Forschern Holografieperformances entwickeln. Ein Ensemble aus wechselnden Stadtbewohnern, das in...
Liebe Redaktion,
Ich finde es schwer, einen Beitrag zu schreiben, der meine Bedürfnisse als Regisseurin formulieren soll, ohne direkt auf die bestehenden Arbeitsbedingungen an den Theatern einzugehen. Denn diese zu verändern, zu verbessern, sind meine Bedürfnisse! Also würde ich zwangsläufig über «zu feste Strukturen», «zu kurze Produktionszeiten», «zu strenge...
