Kugelschreiber und Sinnlos

Henriette Dushe: «Menschen bei der Arbeit»

Theater heute - Logo

Versuch über einen Zustand für drei Spielerinnen und zwei Spieler», so lautet der Untertitel des diesjährigen Gewinnerstücks des Retzhofer Literaturpreises, das in der nächsten Spielzeit am Schauspiel Chemnitz uraufgeführt wird. Die Versuchsanordnung: eine baufällige Showtreppe inmitten einer wild verwahrlosten Wiese, einer Industriebrache, eine «blühende Landschaft, finanziert von Europageldern zum Aufbau Ost».

Die Spieler: ein Sachbearbeiter, kurz «Kugelschrei­ber» genannt; zwei ihm dienliche Sachbearbeiterinnen (eine Prinzessin und ein Engel mit schief rostigen Flügeln); eine Frau im Dirndl, ehemals berühmtes Funkenmariechen, das durch einen Fehler im Verkaufssektor arbeitslos geworden ist, und schließlich noch der Mann, der sinnlos erscheint, signifikant als «Sinnlos» bezeichnet. 

 

Kaum sind alle versammelt, kann sie schon losgehen, die «Greatful Beginning Show». Salbungsvoll und begleitet von orchestraler Revue-Musik entertaint Kugelschreiber einem Showmaster gleich vor seiner illustren «Gemeinde» die Schöpfungsgeschichte des Menschen, die Erschaffung eines Wesens aus Staub: der König der Welt, auserkoren zu wirken, zu bauen und niemals dem Stillstand anheim zu fallen. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2009
Rubrik: Stücke der neuen Spielzeit, Seite 162
von Esther Holland-Merten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Eine halbe Million Gedanken in einer Stunde

In der Höhe» ist ein Gasthof oberhalb von Salzburg in der Nähe der Irrenanstalt, in dem ein Gerichtssaalreporter und Aushilfslehrer am Mozarteum, der eine vage Ähnlichkeit mit Thomas Bernhard besitzt, mit der Vorstellung des Selbstmords experimentiert. Er macht einen Retttungsversuch im Schreiben und notiert die Elemente, aus denen er zusammengesetzt ist: sein...

Der Auszug aus Ägypten

Theater heute Wir wollen heute nicht über 89 reden, sondern über die 20 Jahre danach. Wolfgang Engel, Sie waren einer der Protagonisten der politisch-theatralen Emanzipations- und Revolutionsbewegung – Revolution ist ein großes Wort – in Dresden. Sie kannten den Westen, hatten vorher dort inszeniert. Sie sind dann 1991 nach Frankfurt ans Schauspielhaus von Peter...

Die Spieler des Jahres

Birgit Minichmayr hat die Kritikerinnen und Kritiker in dieser Saison klar überwältigt: Die mit großer Stimmenmehrheit gewählte Schauspielerin des Jahres dürfte es gewohnt sein, dass Männer vor ihr in Andacht verfallen. Eine Auswahl.

 

Kathleen Morgeneyer kannte Tschechows «Die Möwe» nicht, bevor sie die Nina in Jürgen Goschs Inszenierung spielte. Jetzt kennt man...