Krankheit mit Kalkül

Lars von Trier «Idioten»

Theater heute - Logo

Eine spielt hübsch versonnen auf ihrem Xylophon, eine andere hat sich Klamotten in die Klamotten gestopft und hüpft wie ein verbeulter Teddybär über die Bühne. Einer im Anzug bekommt einen leichten epileptischen Anfall. Jemand versucht, einen Mohrenkopf in den Mund zu bugsieren, trifft aber die Stirn. Ein Panoptikum geistig Behinderter, Autisten, Spastiker. Doch irgendwas stimmt nicht damit, wie die Dinge nicht stimmen. Irgendwas ist nicht normal an dieser Anomalität. Das kommt so wenig von innen heraus, das sendet so weit. Das will so sehr gefallen.

Das arbeitet so angestrengt, das ist so viel Schauspiel.

Andreas Kriegenburgs Versuch, Lars von Triers Film «Idioten» auf die Studiobühne Schmidtstraße des Frankfurter Schauspiels zu bringen, trifft von Anfang an falsche Töne. Die Suche nach dem «inneren Idioten», von dem immer wieder die Rede ist, gibt es hier nicht. Hier gibt es nur äußerliche Idioten. Effekt und Distanz.

Natürlich ist es auch in von Triers Film eine künstliche Authentizität, die uns in ihren Bann zieht. Ein Trick. Aber mit seiner vorgeblichen Spontaneität, mit seiner technischen Nacktheit erzeugte «Idioten» mehr als die anderen Dogma-Filme eine tiefe Irritation. Je ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2005
Rubrik: Chronik, Seite 41
von Florian Malzacher

Vergriffen
Weitere Beiträge
Luxus in der Krise

Wenn sogar das reiche Burgtheater über Geld redet, muss die Lage wirklich ernst sein. Tatsächlich klagt die Burg neuerdings über finanzielle Sorgen: Weil die Subventionen seit zehn Jahren auf hohem Niveau (43,7 Millionen Euro) stagnieren, wird das Budget eng. In der Spielzeit 2003/04 machte das Burgtheater trotz tadelloser Auslastung 833.000 Euro Defizit; der...

Spitzen-Schröder-Propaganda

Neulich bei Kanzlers zu Hause: Da steht der Chef aller Deutschen mit offenem Hemd und Rotweinglas, und seine Tochter kommt vom Disco-Besuch nach Hause. Der war leider nicht sehr sexy, weil es wohl nichts auf der Welt gibt, wo Personenschutz so peinlich stört wie im Nachtleben. «Papa, wir leben hier wie im Knast», erklärt die Kleine unserem Bundeskanzler und trollt...

Bring mir den Kopf von Josef Hader

Die begehrteste und meistbeachtete Premiere der Wiener Herbstsaison ging weder im Burgtheater noch in der Staatsoper, sondern in einem 68 Plätze fassenden Kellerlokal namens Theater am Alsergrund über die Bühne: Anfang Dezember erlebte dort «Hader muss weg», das neue Soloprogramm des Wiener Kabarettstars Josef Hader, seine Uraufführung. Es handelte sich im Wortsinn...