Kontinent der Werte
Warum eigentlich Europa verteidigen? Eine zerklüftete Territorialplatte mit unklarer Ostgrenze und recht diffuser paläoanthropologischer Vergangenheit, die nicht unwesentlich auf einen afrikanischen Einwanderer zurückgeht, den bis heute erstaunlich agilen Homo Sapiens. Wer herkunftsgeschichtlich argumentiert, hat es mit den Europäern nicht leicht, und auch sonst sprechen viele Gründe nicht unbedingt fürs gute alte Abendland im spätmodernen Dämmer seiner Aufklärung.
Man muss gar nicht die aktuelle Europaskepsis aus Bürokratiekritik, Elitenüberdruss und Verteilungsungerechtigkeit aufrufen oder auf repressive Wirtschaftsdominanz und notorische Drittweltausbeutung hinweisen. Moralisch hilft auch der Blick zurück nicht weiter. Der kleine Kontinent ruht historisch auf einer beeindruckenden Gewaltgeschichte all derer, die versucht haben, ihn zu einigen. Von den pragmatischen Wikinger-Schlagetots über die Kreuzfahrer, deren Christentum ein bequemer Vorwand für Plünderung und Wirtschaftskriege war, bis zu den Römern mit ihren afrikanischen Expeditionen reicht eine dicke Blutspur ins 20. Jahrhundert, wo Kaiser Wilhelm und seine zackigen Militärs auch mal europäische Kolonialmacht spielten ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Franz Wille
Wer schon immer mal wissen wollte, wie es Menschen wie Iggy Pop geht oder weiland Lemmy von «Motörhead» oder Janis Joplin, der sollte Simon Stephens’ letztes Stück «Birdland» lesen (und sich nicht daran stören, dass es darin vor Klischees nur so wimmelt). Lesen wohlgemerkt, denn wenn man sich die deutsche Erstaufführung im Nationaltheater Mannheim ansieht,...
Ein Theater zur Demokratie ist ein Theater der Biografien in ihren politischen Kontexten», schrieb Chefdramaturg Ludwig Haugk dem Festival «Uniting Backgrounds» ins Programmheft – und wahrscheinlich bildet kein anderer Satz so passgenau auch die Programmatik des ganzen Theaterprojekts Maxim Gorki seit dem Beginn der Intendanz Shermin Langhoff/Jens Hillje ab.
...Auf die Bühne des Wiener Burgtheaters hat es die «Pension Schöller» in ihrer 126-jährigen Geschichte noch nie geschafft. Dafür gibt es in der Stadt Orte, die dafür besser geeignet scheinen, die Kammerspiele der Josefstadt zum Beispiel oder andere, dem Kitzel des Zwerchfells vorbehaltene Etablissements. Für die Kammerspiele entstand denn auch die berühmte...
