Foto: Birgit Hupfeld
Konservativ und wendig
Vor acht Jahren ist Oliver Reese angetreten, die Frankfurter zu lehren, ihr Theater wieder zu lieben. Seine Botschaft lautete: «Schauspieler! Theater!» Und so ließ er Porträts seines Ensembles in der ganzen Stadt plakatieren. Denn unter seiner streit- und denklustigen Vorgängerin Elisabeth Schweeger galt das Schauspiel Frankfurt als zu kompliziert und verkopft, und auch die Politik stand bei weitem nicht immer hinter ihrem Theater. Zu seinem Arbeitsantritt 2009 bemängelte der neue Intendant den fehlenden Rückhalt des Hauses in der Stadt.
Wie ist das heute, Herr Reese? «Ins Gegenteil verkehrt!», sagt der agile Theatermann, als wir uns zum Interview in seinem schlichten Büro treffen. «Unser Abonnentenstamm hat sich verdreifacht. Wir haben ein außergewöhnlich treues Publikum.» Indem Reese die Schauspieler*innen, ihre Virtuosität ins Zentrum seines Theaters rückte, machte er dem Frankfurter Publikum ein Identifikationsangebot, das es nicht ausschlug.
In seiner ersten Saison startete er mit einem umsichtigen, um nicht zu sagen vorsichtigen Programm: mit Klassikern im Großen Haus, das fortan Schauspielhaus hieß, und einer Prise zeitgenössischer Autoren in den Kammerspielen. Eröffnet ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2017
Rubrik: Bilanz, Seite 50
von Esther Boldt
Just an dem Tag im März, an dem Bundespräsident Steinmeier sagte, bei einigen «Menschen gerät, wenn sie anonym kommunizieren, die Sprache offenbar schnell außer Kontrolle» und es gebe nicht mehr die Haltung, dass auch der andere Recht haben könnte, stand in der Blue Box des Nürnberger Schauspielhauses Mark Zuckerberg auf der Bühne und flehte eine junge Frau an:...
Am Anfang ist das Wort, das Wort hat große Buchstaben, und es heißt: AFFEKT. Gefühlte fünf Minuten lang rauschen Spinoza, Deleuze et altera in Druckbuchstaben übers weiße Feld und klären auf, was unter Affekt zu verstehen sei: das Unkontrollierbare, das den Körper unmittelbar ergreift, Furcht, Ekel, Liebe, Eifersucht ... Man darf diese akademische Einführung in...
In Hamburg war eine Neuausrichtung von Theater der Welt zu erleben, in Wien eine Neuorientierung der Wiener Festwochen. Florian Malzacher kuratiert ein letztes Mal Impulse, und die Theaterformen melden sich in diesem Jahr aus Hannover: Festivalzeit!
Maria Milisavljevics «Beben» ist ein doppelbödiges Spiel mit verschiedenen Realitäten. Beziehungsweise der Frage,...
