Kleinstadtvampire
Eine junge Wienerin, die ich nicht persönlich kenne, Frl. Elfriede Jelinek, würde noch gern was schreiben.» Das vermeldete der ebenfalls junge, seit seiner «Publikumsbeschimpfung» aber schon deutlich prominentere Peter Handke 1968 dem Residenzverlag. Er akquirierte gerade Autor*innen für die lesenswerte Anthologie «Der gewöhnliche Schrecken. Horrorgeschichten», mit dabei Thomas Bernhard, Peter O. Chotjewitz, Peter Bichsel, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker.
Jelinek schrieb und landete einen Volltreffer, gemessen an Handkes Maßstäben für zeitgenössischen Horror: Nach George A.
Romeros Kinomeilenstein «Night of the Living Dead», der ja auch eine Parabel über die Selbstzerfleischung der westlichen Gesellschaft war, sollten die Schauergeschichten «Horror nicht als Inhalt» abbilden, sondern «als Methode, darüber zu schreiben, und zwar nicht stupid realistisch». Jelineks Beitrag, den der für seine Literaturadaptionen bekannte Comic-Künstler Nicolas Mahler jetzt wiederentdeckt und für die Carlsen-Comic-Reihe «Die Unheimlichen» als Graphic Novel gezeichnet hat, heißt «Der fremde! störenfried der ruhe eines sommerabends der ruhe eines friedhofs».
Schon der seltsame Dreifach-Genitiv im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2018
Rubrik: Büchermagazin, Seite 66
von Cornelia Fiedler
Vor noch nicht einmal zehn Jahren schien Brasilien in eine rosige Zukunft zu sehen. Luiz Inácio Lula da Silva, der als Gewerkschaftsführer und Mitbegründer der Arbeiterpartei PT nach dem Ende der Militärdiktatur seit 1989 sozialistischer Kandidat bei allen Präsidentschaftswahlen gewesen war, hatte 2002 und 2006 diese Wahlen mit Rekordergebnissen von jeweils 61...
Und dann sagt doch nach zehn Stunden tatsächlich einer: «Ich könnte jetzt noch endlos hier sitzen ...» Unersättlich oder wahnsinnig, fanatisch oder gelähmt, fasziniert oder geblendet? Auf jeden Fall: Es ist gewöhnungsbedürftig, sich an einem Sonntag mittags ins Theater zu begeben, das man erst gegen Mitternacht wieder verlassen wird. Wir leben nicht mehr im alten...
Es entbehrt natürlich nicht einer wohlkalkulierten Ironie, dass sich Zoe ausgerechnet an diesen Punkt des Universums begeben hat, um den Weltuntergang abzufeiern: Sie steht vor den «Quellen der Unsterblichkeit», einer tiefen Erdspalte mitten in der Wüste von Nevada. Hier sollen sich – so will es Robert Woelfls jüngstes Stück «Überfluss Wüste» – schon Bill Gates,...
