Kleingläubige, Scheinheilige
Glauben könnte so schön sein. Wenn sich dieser Gott nur mal blicken ließe. Oder zumindest ein paar Wunder vorbeischickte. Und wenn bloß diese Menschen nicht wären. Erika hat’s wirklich schwer. Die junge Frau will glauben – in einer gottlosen Welt, in einer Welt voller Zweifler. Vom Himmelszelt des Hamburger Thalia Theaters (siehe TH 3/05) ist die Pilgerin in eine schwarze Vorhölle geplumpst. In der Schlosserei des Kölner Schauspielhauses erwartet sie kein Wald, sondern eine karge Wartezone.
Statt Tannengrün zwei Doppelsitzreihen mit je acht grau-grünen Plastikstühlen links und rechts, dazwischen klafft ein riesiges Loch in der schwarzen Rückwand. Das einzige Licht in der Düsternis verströmen vier Straßenlaternen in kühlem Orange.
An dieser Haltestelle der Verlorenen führt Erika ihren Glaubenskampf. Den Bus zum polnischen Wallfahrtsort Tschenstochau hat sie zwar verpasst, aber ihre Mission kennt dennoch keinen Halt. Ihre Mitreisenden, eine Gruppe Lebensleidender, möchte sie zum Glaubens-Glück bekehren. Vergeblich, sie erntet Misstrauen und Gewalt. Aber sie ist ja auch seltsam, diese Heilige unserer Tage. Vielleicht eher eine durchgeknallte Drogensüchtige oder Opfer einer ...
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Wie ein Blick und ein Begehren das Tabu zunichte macht, wie der Furor jede Regel bricht, und wie ein gut gezielter Schuss die Liebesschlacht beendet – selbstverständlich ist es selbst im Theater nicht, dass der Überfall des Außergewöhnlichen derart hart und scharf und haargenau ins Herz und an die Nieren geht. Als aber Shakespeares Gräfin Olivia, gelangweilt vom...
In der Wiese gelegen, geraucht und geschaut. Am Seeufer, das Treiben der Gänse im Blick. Was für ein verführerischer Gedanke, dass dieses Idyll schon Wissenschaft sein könnte. Er sei von Natur aus ein fauler Mensch, gestand Konrad Lorenz in seinem bekanntesten Buch «Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen». Das ganze Geheimnis seiner Arbeit liege im...
Wer zur Begrüßung auf Blütenkränze und Hula-Mädchen gehofft hatte, wurde enttäuscht. Stattdessen hat sich ein finsteres Empfangskomitee vor der Bühne des Stuttgarter Theaterhauses aufgebaut. Gut ein Dutzend streng dreinschauende Polynesier in Smoking und Abendkleid fixieren zehn Minuten lang das Publikum, so als wolle man gleich einmal klarstellen, dass...
