Martin Luther (Zacharias Preen), Luthers Frau (Jennifer Böhm) und Lucas Cranach der Ältere (Imanuel Humm); Foto: Olaf Struck/Theater Kiel

Kiel: Sündengrütze

Feridun Zaimoglu/Günter Senkel «Luther» (U)

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Wittenberg, 1740: Der 56-jährige Martin Luther ist angesehener Theologieprofessor, der auf ho­hem intellektuellen Niveau seine Position bezwei­felt, an der Naivität seiner Studenten und an der Stumpfheit des Volksglaubens leidet und sich ansonsten vor allem sorgt, ob das Bier, das ihm die Gattin aus dem Keller bringt, auch schön kühl ist. Tatsächlich wirkt die Reformation nur konsolidiert, erweist sich aber als brüchig: Ein ungewöhnlich heißer Sommer lässt die Felder verdorren, die Elbe ist zum Rinnsal geschrumpft.

Ob Gott die Lutheraner straft für ihren Abfall vom katholischen Glauben? Die Außenseiterin Prista Frühbottin wird der Zauberei angeklagt, und als man Luther fragt, ob ein Hexenprozess aus theologischer Sicht haltbar sei, stimmt der zu. Besser, eine Nebenfigur der Geschichte springt über die Klinge, als dass der Glaube als Ganzes in Frage gestellt wird.

Wann kippt Vernunft als moralische Richtschnur um in Selbstgerechtigkeit? Wann nimmt die Gegnerschaft gegen den Dogmatismus selbst dogmatische Formen an? Und wie nimmt man diejenigen im Glauben mit, die nicht bereit sind, ständig theologische Probleme zu wälzen? Das sind Fragen, die Günter Senkel und Feridun Zaimoglu an ...

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Theater heute Januar 2018
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Falk Schreiber

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