Kein Schuss am Schluss

Tschechow «Iwanow»

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Eines Tages, sagt er, habe er sich schlagartig verändert. Das muss wohl wahr sein, denn seither ist er ein pathologischer Fall und in Tschechows Menschenpanorama der einzige tatsächlich Depressive. Heute würde der Hausarzt seines Vertrauens ihm ein Medikament zur Mobilisierung der einschlägigen Neurotransmitter verabreichen, und es ginge ihm etwas besser. Zu Zeiten Tschechows allerdings musste einer wie Iwanow die Täler der Freud­losigkeit noch unerlöst durchwandern.



Am Ende ist er tot, und man könnte das, einer Schlussvariante Tschechows folgend, mit einem in Richtung Selbstmord deutenden Schuss zelebrieren. In Heidelberg legt Iwanow sich in dem Moment, da er angeblich noch einmal sein Glück mit der Gutsbesitzertochter Sascha versuchen möchte, ganz einfach zum Sterben auf den Boden und erlöst die Frauen von seiner Depression. Bis zu diesem Zeitpunkt war Daniel Stock ein Theatertier, das zwei Stunden lang mit dem unerklärlichen Verlust an Lebens- und Liebeslust kämpfte. Ein Wolf, der in die Falle geriet, als er dereinst die Jüdin Anna Petrowna heiratete, die daraufhin von ihren Eltern verstoßen wurde und die er heute ganz einfach nicht mehr liebt. Zu seiner Entkräftung trägt bei, ...

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Theater heute März 2009
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Jürgen Berger

Vergriffen
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