Keimzelle Keller
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, sagt der Volksmund, was aber auch als subtiler Hinweis darauf verstanden werden kann, dass Geben und Nehmen kompliziert sind, denn zur Gabe gehört die angemessene Erwiderung: Genügt ein Lächeln? Muss mein Gegengeschenk den Wert des ersten womöglich übersteigen? Verpflichtet es mich vielleicht sogar ein Leben lang?
Hier sind giftige Ingredienzen vergraben, die die englische Übersetzung des Wortes Gabe buchstäblich wiedergibt.
Am unheilvollsten hat sich den Trojanern das Geschenk der Danaer erwiesen, das hölzerne Pferd, das in sich, unsichtbar verborgen, eine tödliche Ladung transportierte. Im neuen Stück von Händl Klaus finden sich einige solcher Danaergeschenke: die Einrichtung eines Erfrischungsraumes, der sich als Todeszone entpuppt, ein frisch bezogenes Bett, in dem möglicherweise Inzest stattgefunden hat, die Einladung zu einer intimen Waschung, der ein Mord vorausgehen soll, eine Schatzkarte, die in den Tod führt. Man kann aber auch das gesamte Stück als eine Gabe betrachten, die mit vielen scheinbar harmlosen Verpackungen ummantelt ist, die beim Abtragen nach und nach einen unheimlichen, gespenstischen Kern offenbaren.
Erfrischungs ...
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Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 146
von Rita Thiele
Was für großartige Gestrigkeiten: Elf bieder-korrekte Anzugmänner und Kostümfrauen, ganz Schlips und Bügelfalte mit grauem Hut, tauchen aus den Tiefen der 60er Jahre, weit entfernt von jeder Eleganz, Uniformträger einer untergegangenen Angestelltenkultur aus dem Geist der Vollbeschäftigung, als noch kein Mensch übertrieben originell oder kreativ sein wollte,...
Drei Personen, der Autor des Stückes nennt sie modellhaft A, B und C, wollen «eine ganz normale Geschichte erzählen». Eine Geschichte von A, vom normalen Leben, von normalen Problemen, von Familie, Job und Ich.
Doch ihre Spielanordnung läuft aus dem Ruder. A sieht sich plötzlich aus allen Richtungen angegriffen. Nach zehn Seiten müssen die Spieler erstmals...
Es ist riskant, als Regisseur über Schauspieler zu schreiben, mit denen man gerne weiter arbeiten möchte. Das soll schon zu Trennungen geführt haben. Andererseits ist die Gefahr groß, dass das Geschriebene leicht austauschbar wirkt, so wie jeder noch so persönlich gemeinte Liebesbrief letztlich verwechselbar klingt. Und einem Menschen wie Jana Schulz, der sich in...
