Katerstimmung im Rheinland
Die Götter sind oben, die Menschen sind unten, und in der Tiefe der Erde, die Toten und die Verdammten, Olympos und Tartaros, Himmel und Hölle: Seit Jahrtausenden existiert diese vertikale Vorstellung der Welt. Ebenso alt wie dieser Mythos ist das Bild der Bestrafung. Der Sturz: Fall der Körper, aus verschiedener Höhe, versteht sich, aus der Macht, aus dem Leben, aus dem Himmelreich. Der Mensch stürzt, weil er gesündigt hat, Frevler heißt der Sünder in der griechischen Mythologie.
Aber gibt es da nicht noch die anderen, die Unschuldigen, Namenlosen, die auch stürzen oder gestürzt werden, Opfer menschlicher und unmenschlicher Gewalt?
«Welches Geschrei voll Missklang hebt sich in der Stadt?» Wo sind wir, und wer spricht da? «Ich glaub, Geschrei voll Missklang hebt sich in der Stadt», so spricht bei Aischylos Klytaimestra im ersten Teil der «Orestie» (übersetzt von Oskar Werner). Diese Tragödie
erzählt auch von Stürzen, vom Sturz des besiegten Troja und vom Sturz des Siegers Agamemnon, Herrscher von Argos, den nach seiner Rückkehr seine Frau Klytaimestra im Bad mit der Axt erschlagen wird. Klytaimestra spricht zum Stadtvolk, einem Chor alter Männer, die, zu schwach, um in den Krieg zu ...
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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 178
von Rita Thiele
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