Kämpfer auf verlorenem Posten
Es muss ein Versprechen im Theaterspielen geben, das extreme Widerstandskräfte ausbildet.
Wie sonst hält es ein Mensch aus, permanent vom Urteil anderer abhängig zu sein, sich lebenslang Kritik und verletzenden Bemerkungen auszuliefern? Was macht den Schauspieler immun gegen Misserfolge, die er sich nicht erklären kann? Wie schützt er sich gegen Verzweiflung, wenn seine Berufsausübung vom göttlichen Ratschluss eines Intendanten, seiner Dramaturgen, des Regisseurs abhängt?
Die meisten Schauspieler, die man nach dem Lohn für diese Ängste fragt, sagen, sie wüssten es nicht wirklich. Natürlich schämen sie sich ein wenig, weil in einer Antwort die Falle lauert, als eitler Geck dazustehen, der süchtig nach Applaus ist, nach Komplimenten, nach Präsentation seiner besten Seiten. Zumal diese Sehnsüchte vermutlich tatsächlich Teil der Antwort sind. Aber dabei ertappt zu werden, dass man bewundert und geliebt sein will, erklärt noch nicht vollständig die Beharrlichkeit, mit der die meisten Schauspieler immer wieder Niederlagen verkraften, um spielen zu können. Und auch mit psychologischen Küchenweisheiten über masochistische Grundstrukturen, quälende Mangelgefühle oder kindliche Sehnsucht ...
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Eine Inszenierung von Hebbels «Nibelungen»-Trilogie, die keine drei Stunden dauert, ist
selten. Die Fassung, die der österreichische Dramatiker und Regisseur Volker Schmidt für das Linzer Theater Phönix erstellt hat, ist aber nicht nur stark eingestrichen. Der Autor Schmidt hat Hebbels Verse zum Teil auch sprachlich bearbeitet, der Regisseur hat für das Stück ein...
Im Probenraum trifft Arbeit auf Kunst. Dieser Ort ist meistens leidlich beheizt, unaufgeräumt und befindet sich in einem Industriegebiet am Rande der Stadt. Die Theaterleute fahren dort hin, nicht morgens um 7.00 Uhr, sondern gegen 10.00 Uhr oder etwas später, wie seinerzeit die Arbeiter, die dort Maschinen gewartet, Autos gebaut und das Bruttosozialprodukt...
I.
Regisseur zum Schauspieler Fang bitte mal an.
Schauspieler spricht einen halben Satz
Regisseur unterbricht ihn Ne, ne, ne. Du musst da ein Komma denken, immer auf Komma denken, Komma denken, du sprichst da nen Punkt, da steht aber kein Punkt, da steht ein Komma, das ist falsch, da auf Punkt zu spielen, da steht n Komma!
Schauspieler spricht weiter
Regisseur...
