Innige Sünder, edle Prinzipienreiter
«Rosmersholm» wird auf ewig mit einem endlos bunten Strickschal verknüpft bleiben. Dieses bedeutsame Requisit, an dessen offenem Ende die Rebekka West von Angela Winkler während der ganzen Aufführung emsig weiterstrickte, stand im Zentrum von Peter Zadeks bis zur Zermürbung betulicher Ibsen-Inszenierung 2001. Und jetzt, zehn Jahre später auf der Volksbühne: wieder ein Strickschal! Allerdings eierschalfarben und, wie sich herausstellt, völlig verwaist auf einem Sessel in Rampennähe endgelagert.
Eine Verbeugung vor dem toten Meister?
Zur Erinnerung: Der Thrill der Zadek-Inszenierung bestand vor allem im fortgeschrittenen Alter der Schauspieler. Der damals 60-jährige Gert Voss und die kaum jüngere Angela Winkler bildeten das ergraute Liebesduo, dessen mörderische Rücksichtslosigkeit geradezu frivol wirkte. Verglichen damit ist es Leander Haußmann, der sich nach längerer Theaterabstinenz über «Rosmersholm» beugt, mit Ibsens Psychokrimi bitter ernst. Einerseits will er die Liebe zwischen dem frisch verwitweten Rosmer (Peter Lohmeyer) und der gebildeten Rebekka (Annika Kuhl) als rein und unbedingt darstellen: Leonard Cohen, der abgefuckte Romantiker, liefert dazu mit dem Erotiksäusler ...
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Theater heute November 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 48
von Eva Behrendt
Wunsiedel in Oberfranken hat einen guten Ruf (Luisenburg-Festspiele für roman-tische Kulturtouristen) und einen schlechten (Rudolf-Hess-Grab für holzköpfige Nazi-Wallfahrer). Für Moritz Schoppe, widerwilliger «Held» in Michael Buselmeiers neuem Roman, kommt noch eine dritte Eigenschaft hinzu: Wunsiedel ist «finster». Denn denkt Schoppe, der an einem durchaus...
Eines muss man dem Hengst, einer tragenden Figur aus Lars-Ole Walburgs Hannoveraner Spielzeit-Eröffnungsinszenierung, lassen: Er müht sich redlich, keine der platterdings mit seinem Namen verbundenen Assoziationen auszulassen. Schon während die Zuschauer ihre Plätze einnehmen, hüpft der Rappe in einer durch und durch humanoiden Kombination aus Rocker- und...
Am 11. März 2011 erschüttert ein Erdbeben der nie verzeichneten Stärke 9,0 den Nordosten Japans. Kurz darauf trifft eine ungeheure Tsunami-Welle auf die Küste.
Am Tag des Bebens wird von 133 Toten berichtet, am Folgetag von 686, nur wenige Wochen später haben sich die Schätzungen auf 28.000 Tote und viele Vermisste erhöht. Mittlerweile spricht man von 120.000...
