In Kleiderordnung

Michael Thalheimer inszeniert Musiktheater: Janáceks «Katja Kabanowa» an der Berliner Staatsoper

Theater heute - Logo

Einer Frau, die so ein Blümchenkleid schon während der Ouvertüre tragen muss, bleibt nichts anderes als der Selbstmord. Kein Drama muss das noch näher erklären. Keine Janácek-Musik, keine verbotene Liebe und keine gesellschaftliche Repression, ja nicht einmal eine böse Schwiegermutter. Man kann sich nun streiten, ob die Kostümbildnerin ein gutes Händchen hatte, indem sie Elend, ein hoffentlich historisches weibliches Rollenelend, so auf den Punkt gebracht hat.

Oder ob sie – und zu dieser Deutung lädt Michael Thalheimers Inszenierung durchaus ein – allen Ernstes mit diesen Blümchen die oft erwähnte Lebendigkeit der Katja Kabanowa symbolisieren wollte, die Lebendigkeit, von der sie im ersten Akt des Stückes fürchtet, dass sie ihr im Muff ihrer Ehe und im Knast der von der Schwiegermutter beherrschten Familie für immer abhanden kommen könne. Die sie dann gegen religiöse Überzeugung und fromme Gelöbnisse nach dem Strohhalm eines Abenteuers greifen lässt. Die Lebendigkeit schließlich, die im letzten Akt – weil Religion, Gesetze und Liebe, Freiheit, ja der auch nicht verschwiegene Traum vom Fliegen nicht zusammengehen – nur durch entschlossene Negation als Prinzip gerettet werden kann. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2005
Rubrik: Musiktheater, Seite 14
von Diedrich Diederichsen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Notizen

Preise/Auszeichnungen

Ulrich Matthes erhält für seinen George in Jürgen Goschs Berliner «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?»-Inszenierung den Gertrud-Eysoldt-Preis der Bensheimer Ringelband-Stiftung in Höhe von 10.000 Euro. Den Nachwuchs-Regiepreis (5000 Euro) teilen sich Shirin Khodadadian und Daniela Kranz. / Gerhard Stadelmaier, Theaterkritiker der FAZ, erhält...

Aus der Breite des Raums

In der Berliner Uraufführung von «3 von 5 Millionen» (vgl. TH 2/05) wartete das Regiependant des Autors Fritz Kater, Armin Petras, im Falle des Bacon-Monologs mit einem Schauspieler im Kostüm der Biene Maja auf. In Mannheim, wo einen Tag später die zweite Inszenierung folgte, versucht man, der Lüge der Kunst mit gespieltem Realismus nahe zu kommen. Reinhard...

Das winzige Stückchen Punk

Nachmittagsvorstellung an einem Sonntag im Januar, volles Haus, das Schweizer Fernsehen ist auch da und filmt für irgendeine Kultursendung. In der Pause fragt das blonde Garderobenfräulein: «Und? Finden Sie das jetzt auch obszön? Also, ich habs ja noch nicht gesehen, aber viele Leute sagen, das wäre total obszön!» Hm. Nach der Pause sind die drei alten Damen aus...