Immer dem Hasen nach
Luc Bondy ist nur in seinen Inszenierungen der sensible Menschenkenner; privat kann er nicht einmal grüßen. Er und Frank Castorf schieben sich gegenseitig die Inszenierungen zu. Peter Stein ist total abgedriftet, und Matthias Lilienthal hat mit Christoph Schlingensiefs Freundin geschlafen. Woher wir das alles wissen? Ganz einfach: Christoph Schlingensief ist mit seiner Luigi-Nono-Überschreibung «Via Intolleranza II» – einem Projekt, mit dem er in Europa für sein Operndorf in Burkina Faso Werbung machte – bei den Wiener Festwochen zu Gast.
Und er nutzt die Gelegenheit, um in einer relativ spontanen Brandrede so ziemlich alle Hände zu beißen, die ihn fütter(te)n.
Es ist ein verzweifelt komischer, denkwürdiger Auftritt, wie man ihn selbst von Schlingensief noch nicht erlebt hat. Wie bei einem Tourette-Patienten – «es ist wie ein Zwang!» – brechen die Verbalinjurien aus ihm heraus. «Der Krebs hat mir die Augen geöffnet», erklärt der Regisseur, der anscheinend keinen Grund mehr sieht, irgendjemanden zu schonen. Das gilt natürlich auch für ihn selbst: «Ich bin doch genauso kaputt wie Frank und Luc!»
Die Sorgen der «Drei Schwestern»
Frank Castorf, der bei der Suada seines ehemaligen ...
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Theater heute August / September 2010
Rubrik: Festivals, Seite 28
von Von Wolfgang Kralicek
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