Im Neurosenparadies
Die Welt ihrer Eltern wollen die Kinder naturgemäß nicht. So geht es auch der fast volljährigen Judith und ihrem Bruder, dem Langzeitstudenten David. Ihre Eltern, eine Lehrerin und ein Redakteur, sind liberal, gebildet und verständnisvoll. Wenn es mal hart auf hart kommt, macht man halt ein Coaching oder geht in Therapie.
Kein Wunder, dass sich beide Kinder bei so viel Integrations- und Liebeswillen nicht nur in Therapie befinden, sondern auch einen ausgeprägten Hang zu explosiven Emotionen und Aktionen besitzen: Bei Judith ist es das Liebesleben («Mit mir macht’s dauernd bumm und ich lieb. Wie eine Bombe»), bei David sind es diffuse politische Revolutionsambitionen («Wir müssen ganz laut. Eine riesige Bombe»).
Als Comic-Helden Catwoman und Spiderman verkleidet, schmeißen sie Brandbomben in Geschäfte und Kaufhäuser. In einem finalen Zerstörungsakt lassen sie die Wellnesstherme, in der ihre Eltern grad ihren Kurzurlaub verbringen, hochgehen. Wie einst Mayenburg mit «Feuergesicht» lokalisiert Palmetshofer im bürgerlich liberalen Zwangsregime der Familie heftig brodelnde Sprenggelüste. Ausgesprochen zünftig legt er über winzige Verschiebungen in der Alltagssprache die tiefgreifenden ...
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Deutschland, im Mai 1977. In München packt Franz Beckenbauer, der für ein paar Jahre zu New York Cosmos wechselt, gerade seine Koffer. In Stuttgart-Stammheim sind die Urteile im ersten großen RAF-Prozess gesprochen, deren verheerende Folgen noch nicht abzusehen sind. Und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg wird «Trilogie des Wiedersehens», das dritte...
Michael Merschmeier Die Kinder-Frage zuerst: Was war die erste Aufführung, an die Sie sich heute noch erinnern?
Jürgen Schitthelm Das kann ich Ihnen ganz genau sagen. Ich bin ja im Ostteil Berlins
aufgewachsen. 1951 haben wir mit der Klasse im staatlichen «Theater der Freundschaft»
ein Stück gesehen – fragen Sie mich nicht nach dem Autor –, das «Schneeball» hieß....
TH Ist die Jury des Theatertreffens mit sich selbst zufrieden?
Wolfgang Höbel Es ist entschieden die beste aller möglichen Auswahlen.
TH Klingt nicht unbescheiden.
Höbel Die Jury ist eben total begeistert von ihrer Auswahl, und wir haben beschlossen, dass kein Blatt Papier zwischen uns passt. Totale Einigkeit nach innen und nach außen.
TH Der Weg führt vom Selbstlob...
