Im Kaufhaus des Verschwindens

Was heißt hier Überproduktionskrise? Stück des Monats Februar ist «Herrenbestatter» von Theresia Walser.

Theater heute - Logo

Ob sich die Finanzkrise und ihre Ursachen überhaupt fürs Drama eignen – oder mit Elfriede Jelineks Krisenredewirbel «Die Kontrakte des Kaufmanns» nicht längst mehr als alles gesagt ist – sind berechtigte Fragen. Auf jeden Fall aber bleiben die Folgen der Krise ein Thema fürs Theater. Theresia Walser interessiert sich jedenfalls nicht für ökonomische Theorie oder Kapitalkritik, sondern für ein alltägliches Kulturbiotop, das gerade untergeht.



Herr Ellenbeck, Ende 50, Verkäufer in der Herrenabteilung, hat in «Herrenbestatter» seinen letzten Arbeitstag, und seinen letzten Anzug wird er an eine Leiche verkaufen. Im müden Wirbel der großen Drehtür weht Theresia Walser ihrem Ellenbeck noch einmal ein paar verstreute Kunden und Belegschaftsreste um die Ohren. Zwischen schütteren Kleiderständern, halbleeren Regalen und den Selbstberuhigungstiraden der letzten Verbliebenen feiert sich das Kaufhaus im Verschwinden: der Konsumtempel des späten 19. und 20. Jahrhunderts, der immer mehr war als ein Vertriebskonzept für Gebrauchsgegenstände. Kultstätte der Überflussgesellschaft und Arche Noah der Fußgängerzonen, anonymes Geselligkeitszentrum der urbanen Einsamkeiten, Lebensbegleitrauschen und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen
Weitere Beiträge
Premieren im Februar

Aalen, Theater der Stadt

Kasse: 07361/522 600

20. Schwab, Die Präsidentinnen

R. Jakob Strack

27. Bauer, Das Schweigen im Walde (U)

R. Katharina Kreuzhage
 

Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater 

Tel.: 03733/13 01 216

21. Schiller, Maria Stuart

R. Torsten Krug
 

Bamberg, E.T.A.-Hoffmann-Theater

Kasse: 0951 87 30 30

13. Zeller, Kaspar Häuser Meer

R. Alice Asper

20....

«Noch ein Weinchen, noch ein Zigarettchen»

(...) Das Tanztheater Deutschlands steht unter Schock. Erst jetzt, da Pina Bausch tot ist, schaut sich der Betrieb um und merkt, dass es keine Nachfolger gibt für sie, nicht einen. Über das Weiterleben ihrer Stücke auf der Bühne dachte sie nach, ohne zu einer Entscheidung gelangt zu sein vor ihrem Tod. Wer soll nun welche Werke ohne sie alleinverantwortlich...

Aus der Traum

Amerika, du schöner Traum! Mit harter Arbeit und gutem Willen schafft es dort jeder. Der Einwanderer Moe Baum ist Geschäftsmann geworden, macht in Aktien und lässt sich vom Chauffeur durch die Großstadt kutschieren. Die Wirtschaft boomt, Hochhäuser wachsen in den Himmel, der Frisör spekuliert sich reich. Lee, der Sohn, träumt von der Karriere als Künstler, Mama...