Im Auge des Verrats

Enis Maci Ein neues Stück, noch ohne Titel

Theater heute - Logo

Eine Frau, ein Mann und ein Auto. Eine Spazierfahrt? Oder eine Fahrstunde? Wie stehen die beiden zueinander? Orte und Begebenheiten am Straßenrand konfrontieren sie mit teils verdrängten Erinnerungen. Die Fahrt führt zunächst durch eine Stadt, an Orte, die sich in den Biografien der beiden mit Bedeutung aufgeladen haben. Schöne und schmerzliche, traumatische und verdrängte. Der erste Weg führt zu einer Grundschule, in die die Frau ging – daneben eine psychiatrische Praxis. Dort versuchte vor langer Zeit ihr Vater, die Schmerzen seiner Vergangenheit zu lindern.

Welche Dämonen verfolgten den Vater?

Im Radio laufen Berichte, Interviews, Musik und fließen mit der Gedankenwelt der beiden Insassen des Autos zusammen, kontrastieren oder beflügeln deren Fantasien. Immer mehr verschwim­men die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Imagination.

Das Auto scheint seine große Zeit hinter sich zu haben: Der Verbrennungsmotor gilt als nicht mehr zeitgemäß, die Entwicklung selbstfahrender Autos stellt das Konzept des Individual­verkehrs grundsätzlich in Frage. Das Auto taugt nicht mehr zum Symbol sozialen Prestiges, jedenfalls nicht mehr in dem Maße wie in der zweiten Hälfte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 171
von Tobias Schuster

Weitere Beiträge
In der Parallelwelt des Familien-Horrors

Ihrer Zeit voraus waren die Radikal-Theater-Avantgardisten Vegard Vinge und Ida Müller ja schon immer. Aber dass sie selbst kon­krete erdrutschartige (National-)Katastrophen antizipieren, darf durchaus als kleines Novum gelten: Wer Ende Mai beim internationalen Musik- und Theaterfestival im norwegischen Bergen die jüngste Vinge-Müller-Produktion «Panini-BoysRoom»...

Die 40-Tage-Lösung

Seit dem Erwachen meines politischen Bewusstseins Mitte der 1970er Jahre war der Begriff «Heimat» für kritische Menschen diskreditiert, damals vor allem durch die Nähe des Begriffs zu der Blut–und-Boden-Ideologie der Nationalsozialisten. Ich selbst würde sagen, dass er mich immer irritiert und ich ihn nie benutzt habe. Er stand einfach im Verdacht, ein bisschen...

Musiktheorie und Verlässlichkeit

Heute habe ich ein Visum beantragt für meine Heimat. 22 Tage in Russland wollen begründet sein. «Eine Deutsche» macht Urlaub in ihrem Geburtsort. Nach 30 Jahren in Deutschland bekomme ich das nicht über die Lippen: eine Deutsche sein. Warum?

Mit acht Jahren kam ich aus Russland nach Deutschland. Was beginnt mit dem ersten Tag in einem fremden Land, und was ist es,...