Ibsen «Die Wildente»
Das stärkste Bild hat Karin Henkel an den Anfang gesetzt: Nebel, der alles überdeckt. Nur schemenhaft erkennt man darin Menschen und Raumumrisse. Unschärfe als Gebot der Stunde? Von bürgerlichem Realismus ist wenig zu merken, stattdessen hat Henkel ihre Inszenierung irgendwo zwischen expressionistischem Stummfilm und Film noir angesiedelt. Dazu gibt es einen düster-dunklen Soundtrack mit Hollywoodemphase.
Auch nach dem Anfangseffekt will sich nicht klären, warum die Bühne bevölkert ist von Karikaturen und Zombies, die mit expressionistischer Gestik, mal mehr, mal weniger weißgeschminkten Gesichtern und merkwürdigem Gehabe ausgerechnet Ibsen spielen. Vielseitig interpretierbar erscheint der Bühnenaufbau von Janina Audick. Die mehrstöckige Drehbühnen-konstruktion erinnert mal an ein Kreuzfahrtschiff, mal an eine überdimensionale Torte.
Über allem thront ein rotes Leuchtherz, wie zur Erinnerung, dass es hier auch um Zwischen-menschliches geht – oder gehen sollte. Denn ganz grundsätzlich handelt «Die Wildente» von Lebenslügen in bewährter Ibsen-Manier. Auf die eine oder andere Weise hat hier jeder jeden betrogen, nur Hedwig, das Mädchen, ist unschuldig – und in Frankfurt unerbittlich ...
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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 46
von Kristin Becker
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