Historisches Understatement
Im August letzten Jahres konnte der Bayerische Rundfunk mit einer kleinen Sensation aufwarten. Dort waren Bänder gefunden worden, auf denen Fritz Kortner Teile seiner 1959 veröffentlichten Autobiographie unmittelbar nach deren Erscheinen gelesen hatte. Fünf Stunden, von denen lediglich 40 Minuten damals gesendet wurden. Fünf Stunden, von denen so mancher von Kortner persönlich vorgetragener Satz die Zeitgenossen elektrisiert haben dürfte und mit dem scharfzüngigen Ton seiner Erinnerungen auch aufstörend gewirkt haben muss.
Warum diese Bänder in Vergessenheit gerieten, weiß heute niemand zu erklären. Das Buch «Aller Tage Abend» gehört zu den Klassikern seines Genres – als erzählte Theatergeschichte im Werdegang eines Schauspielers und später auch Regisseurs von der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg bis zur frühen Bundesrepublik, vom führenden Schauspieler der zwanziger Jahre über die schwierigen Jahre der Emigration in England und Amerika bis zur Rückkehr nach Deutschland, wo er das Vergegenwärtigen der Klassiker noch einmal anders begriff und so zu einem der wichtigsten Anreger des Regietheaters wurde.
Unter dem hohen Ton
Kortner hat nach dem Missbrauch der öffentlichen Rede im ...
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