Historisches Understatement

Fritz Kortner liest aus seiner Autobiographie «Aller Tage Abend».

Theater heute - Logo

Im August letzten Jahres konnte der Bayerische Rundfunk mit einer kleinen Sensation aufwarten. Dort waren Bänder gefunden worden, auf denen Fritz Kortner Teile seiner 1959 veröffentlichten Autobiographie unmittelbar nach deren Erscheinen gelesen hatte. Fünf Stunden, von denen lediglich 40 Minuten damals gesendet wurden. Fünf Stunden, von denen so mancher von Kortner persönlich vorgetragener Satz die Zeitgenossen elektrisiert haben dürfte und mit dem scharfzüngigen Ton seiner Erinnerungen auch aufstörend gewirkt haben muss.

Warum diese Bänder in Vergessenheit gerieten, weiß heute niemand zu erklären. Das Buch «Aller Tage Abend» gehört zu den Klassikern seines Genres – als erzählte Theatergeschichte im Werdegang eines Schauspielers und später auch Regisseurs von der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg bis zur frühen Bundesrepublik, vom führenden Schauspieler der zwanziger Jahre über die schwierigen Jahre der Emigration in England und Amerika bis zur Rückkehr nach Deutschland, wo er das Vergegenwärtigen der Klassiker noch einmal anders begriff und so zu einem der wichtigsten Anreger des Regietheaters wurde. 

 

Unter dem hohen Ton

Kortner hat nach dem Missbrauch der öffentlichen Rede im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2005
Rubrik: Medien/TV, Seite 89
von Thomas Irmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Überall Sexuelles

Wie ändert sich in sieben Jahren der Blick auf ein Erstlingsdrama, das seinerzeit als veritables Horrorstück in die Theatergeschichte einging? Eine ganz normale vierköpfige Familie: Die pubertierenden Kinder sind inzestuös ineinander verwoben, Kurt bastelt in der Garage Molotowcocktails und wirft sie in fremde Häuser, am Schluss erschlagen die Geschwister ihre...

Eine Frage der Geldbeschaffung

Ein Titel allein reicht nicht. Das Projekt ist kompliziert, es muss erklärt werden, es braucht einen Untertitel. «Ein deutsch-polnisches Stück mit Bankräubern jenseits der 70» lautet er – und ist schon falsch. Denn Bankräuber spielen natürlich nicht mit, auch keine ehemaligen, nur deutsche und polnische Schauspieler, Profis und Laien. Der Untertitel ist nichts als...

Neue Arbeit statt Anerkennungsnot

Franz Wille Wie fühlt man sich, wenn man ein Stück über Arbeitslosigkeit geschrieben hat?

 

Moritz Rinke Wie ich mich «fühle»? Das klingt ja so, als arbeite jetzt Waldemar Hartmann von der Sportschau bei «Theater heute». Wenn Sie allerdings meinen, ob es nicht etwas sonderbar sei, ein Jahr an einem Stück zu arbeiten, das davon handelt, dass andere nicht arbeiten …

...