Hier gedeiht nichts mehr
«Tsunami» war das Schlagwort zur Beschreibung der Finanzkrise. Es sollte glauben machen, dass uns die Katastrophe wie eine Naturgewalt überrollt habe, unkontrollierbar, unabsehbar. Inzwischen weiß man, dass es so nicht war – und macht trotzdem fröhlich weiter: Meister der Verdrängung, hochgradig ignorant und fatalistisch. In dieser Hinsicht sind Karin Henkels Kirschgarten-Bewohner am Schauspiel Köln das Personal der Stunde.
Henkel appelliert nicht mit poetisch melancholischen Bildern des Untergangs an das Mitleid des Zuschauers, sondern bringt die Komödie mit Slapstick, Zeitraffer und einem ausgezeichneten Ensemble zum bösen Funkeln. Erwartungen an einen Kölner «Kirschgarten», der sich auf die kommunalpolitische Spardiskussion um das Schauspiel bezieht, erfüllt Henkel damit nicht. Politisch wird es trotzdem.
Braune Erde bedeckt den Boden des mächtigen, düsteren Raums, nur ein kleines, zir-
kusartiges Podest dreht sich langsam in seiner Mitte (Bühne: Kathrin Frosch). Hier gedeiht nichts mehr. «Mit dem Gut ist es längst aus», wird Trofimow später sagen. Doch die Feiertruppe, die jubelnd in diese Manege prescht, sieht das Offensichtliche nicht. Hauptsache gute Laune!, scheint ihr ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Nathalie Bloch
Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin schickt Hauptmanns «Der Biberpelz», inszeniert von Herbert Fritsch, der auch Ibsens ebenfalls eingeladene «Nora» aus dem Theater Oberhausen verantwortet. Weiter nominiert ist vom Dresdner Staatsschauspiel Roger Vontobels «Don Carlos»-Inszenierung. Der dritte bisher noch nie zum TT geladene Regisseur ist Nurkan Erpulat mit...
Theater heuteFangen wir mit den Zahlen an: Von 124 Intendanten in Deutschland sind 19 Frauen, das entspricht 15,32 Prozent. 29 Prozent der Regisseure sind Frauen, nur beim Mittel- und Unterbau ist der statistische Gleichstand erreicht: 48,5 Prozent der Dramaturgen sind weiblich und 50,6 Prozent der Regie-Assistenz. Guckt man auf eine längere Strecke, nämlich auf...
Die Wohnung sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. In der Wand klafft ein riesiges Loch, dahinter steht ein Mann mit Golfschläger. Vor der Wand seine Frau, einen Golfball im Mund. Sie: «Du spinnst wohl!» Er: «Das wollte ich nicht.» Blackout. Soweit in voller Länge die kürzeste jener 52 Szenen, aus denen Andrea Breths Minidramencollage «Zwischenfälle» im...
