Harry ist der Größte

Harold Pinter erhält den zehnten Europäischen Theaterpreis, der gerade mal wieder vergeben wurde

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Im Hotel tagt das Paralympische Komitee: Menschen in Rollstühlen, mit Bein- oder Armprothesen sitzen beim Nachtessen. Vor dem Hotel balancieren Jugendliche auf Stelzen und versuchen, das Prothesengefühl zu spüren. Drei Tage später ist die Welt im Paralympics-Hotel völlig verkehrt: Da ist nämlich Juventus Turin zu Gast, es ist Sonntagnachmittag, und die Spieler entspannen sich gemeinsam vor dem Match gegen AC Milan in der Hotel-Lounge. Draußen warten etwa zweihundert Jugendliche auf ihre Stars. An Harold Pinter sind sie wahrscheinlich alle nicht interessiert.

Dabei wird der englische Dramatiker, Schauspieler, Lyriker, Nobelpreisträger und Bush-Gegner ein paar Straßen weiter seit Tagen gefeiert, wird die Stimmung aufgeheizt, werden die wildesten Dinge behauptet, und alles nur, damit 250 nach Turin geladene Theaterkritiker gleichzeitig aufspringen und gar nicht mehr anders können, als eine Standing Ovation abzufeuern, sobald der alte Mann die Bühne betritt.

Das muss so sein, denn Pinter, 76, erhält den Europäischen Theaterpreis, eine Kultur- und Tourismusmaßnahme der EU, die mehrere Dinge zum Ziel hat, nämlich erstens ein schönes Stück Italien in die Weltpresse zu bringen, zweitens ...

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Theater heute Mai 2006
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Simone Meier

Vergriffen
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