Foto: Schauspiel Graz
Graz: Wo geht’s hier zum Roter Faden?
Obwohl Tomer Gardi die deutsche Sprache nicht wirklich beherrscht, hat er seinen Roman «Broken German» (Droschl 2016) auf Deutsch geschrieben. So sieht er auch aus: Grammatikalisch und orthografisch stellt der Text den Albtraum jedes Deutschprofessors dar, und wir haben es hier auch nicht mit einem Jargon à la «Kanak Sprak» zu tun. Stilistische Gesetzmäßigkeiten sind nicht zu erkennen; wenn Fall, Artikel oder Syntax ausnahmsweise einmal korrekt sind, ist das anscheinend reiner Zufall. Als der israelische Schriftsteller (geb.
1974) mit einem Auszug aus dem Roman 2016 am Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis antrat, führte das in der Jury prompt zu einer Grundsatzdebatte: Inwiefern ist Sprachkenntnis Voraussetzung für die Teilnahme an einem Literaturwettbewerb?
Außer Frage steht, dass Tomer Gardi ein ebenso gefinkelter wie gewitzter Autor ist. Auf den ersten Blick wirkt der großteils in Berlin situierte Roman «Broken German» wie eine recht lose Sammlung verschiedener kurzer Erzählungen; diese aber werden durch ein ziemlich komplexes Konzept zusammengehalten – nicht zufällig ist eine Bar namens «Zum Roter Faden» ein Hauptschauplatz. Zwei Erzählstränge ziehen sich durch das Buch. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2018
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Wolfgang Kralicek
Über die Schweiz liefen 75 Prozent der Devisengeschäfte des Dritten Reiches, seit 1940 belieferte das neutrale Land ausschließlich die «Achsenmächte» Deutschland und Italien mit Waffen, 1942 schloss es seine Grenzen für jüdische Flüchtlinge. Doch das Bild einer Schweiz, die die Jahre 1933 bis ’45 in Neutralität und fern jeder Mitschuld an den Verbrechen des...
Leben macht Lärm. Vogelgezwitscher, Straßengeräusche, Sirenen stimmen ein auf eine üppig instrumentierte Partitur dramatischer Stimmen und Stimmungen. «The Humans» – das Stück von Stephen Karam, das am Broadway Rekorde bricht und zum «best play 2016» ausgerufen wurde – geht es groß an. Eine Gattungsgeschichte? Nein, einfach eine Thanksgiving-Party in Chinatown/ New...
Ein Mann kommt auf die Bühne, telefonierend mit Ohrstöpseln und Freisprechgerät im strahlend blauen Anzug – ein Manager von heute. Es ist Konsul Bernick aus Ibsens «Die Stützen der Gesellschaft» von 1877. Wenn das Stück so glatt aktualisierbar ist, warum wird es heute so selten gespielt?
Der komödienhafte Schluss wird in allen Schauspielführern bemäkelt. Ibsen sei...
