«Gestatten, Ungepflegt!»
Und stockt kurz sie, die Wutentbrannte, stockt, um ihrem Gegenüber die schlimmste Beschimpfung an den Kopf zu werfen, die ihr einfallen konnte: «Du Künstler!», krächzt die aufgebrachte Passantin Christoph Schlingensief bei der Aktion «Ausländer raus!» entgegen. Mittlerweile ist es fast 20 Jahre her, dass Schlingensief mit seinen Containern vor der Wiener Staatsoper den österreichischen Volkszorn auf sich zog.
Seither sahen wir viele Rechtspopulisten kommen, aber auch immer wieder gehen, nicht ohne der Republik zuvor erheblichen Schaden zugefügt zu haben, wie uns das kürzlich erschienene «Ibiza»-Video wieder mal aufs Drastischste vor Augen geführt hat. Die Fremdenfeindlichkeit ist nichtsdestotrotz ungebrochen hoch, und manch ein eifriger Verfechter der neuen Rechten rüstet sich schon für einen angeblich bevorstehenden europäischen Bürgerkrieg. Während der jüngste Altkanzler Österreichs immer wieder gern mit Wladimir Putin auf einer Hochzeit tanzt. Was heißt es also, sich in diesem Land Künstlerin bzw. Künstler schimpfen zu lassen? Einem Land, in dem die Rechtsextremen einen Maler wie Odin Wiesinger als Künstlerisches Role Model in Stellung bringen: ein schlagender ...
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Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Künstler Positionen, Seite 16
von Ferdinand Schmalz
Theater heute Das Schöne am Stadttheater ist, dass es sich zumindest künstlerisch permanent verändern kann. Alle fünf oder zehn Jahre kommt – falls die Kulturpolitik nicht furchtsam oder bequem ist – eine neue Leitung, die für sich neu definieren kann, wozu das Theater da ist und wie es sich im Umfeld von Stadt und Gesellschaft positioniert. Dabei gibt es klare...
Theater heute Ein zehnstündiges Antiken-Großprojekt wie «Dionysos Stadt» ist für ein Stadttheater nicht gerade üblich. Peter Stein hat es 1980 mit der «Orestie» an der Berliner Schaubühne einmal unternommen, aber die Schaubühne war damals auch kein übliches Stadttheater. Wie ist diese im besten Sinn wahnwitzige Idee überhaupt entstanden?
Christopher Rüping Die...
«Zwei Jahre klingen lassen.»
Dies möchte der Schweizer Schlagzeuger und Komponist Fritz Hauser immer mal wieder in seine Partitur schreiben, wenn es um einen abschließenden Gong- oder Beckenschlag geht. Wer Hauser kennt, weiß, wie er zu dieser Vorstellung kommt. Wer ihn nicht kennt, erfährt durch diesen eigentümlichen Wunsch einiges über Hausers Wesen. Er hat als...
