Gequetschte Körper

Thomas Melle «3000 Euro» (U) am Theater Bremen

Theater heute - Logo

Ungefähr zur Pause ist dann die Luft raus. Aus der mittelgroßen Hüpfburg, die einen Gutteil der Bühne im Kleinen Haus des Bremer Theaters einnimmt und nach 90 Minuten leise zischend in sich zusammensackt. Aber auch aus Anne Sophie Domenz’ Uraufführung von Thomas Melles «3000 Euro», die bis zu diesem Punkt einen ganz eigenen Blick auf die Vorlage hat und dann ein wenig den Fokus verliert.

Melles Roman wird aktuell mehrfach für die Bühne adaptiert, aus nachvollziehbaren Gründen: «3000 Euro» verbindet eine hoffnungslose und entsprechend berührende Liebesgeschichte mit genauer Beobachtung sozialer Verwerfungen und einer grundsätzlich theaterspezifischen Analyse des voyeuristischen Blicks. Der in die Obdach­losigkeit abgerutschte Ex-Student Anton, dem rund 3000 Euro fehlen, um wieder halbwegs Fuß zu fassen, und die Supermarktverkäuferin Denise, die in einem Amateurporno mitspielt, um sich und ihrer Tochter eine New-York-Reise zu finanzieren, und die für besagten Pornodreh exakt 3000 Euro in Aussicht gestellt bekommt – das ist eine unwahrscheinliche, aber berührende Kopplung, und, ja, der Kampf der Figuren darum, die aufkeimende Liebe nicht durch den im Raum stehenden Geldbetrag ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2015
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Ein Ticket für die Wirklichkeit

«Ab jetzt bestimmt die Fiktion die Wirklichkeit!» Der Mann mit der Pelzkappe reißt das Fenster zur Straße auf. Eine frische Brise, Autolärm und Vogelzwitschern dringen in den stickigen Theaterraum hinein, und er brüllt hinaus: «Wir lassen uns von Gott nicht mehr umbringen!» Mit Re­volvern hatte der Bärtige, der Anarchist Michail Bakunin, zuvor in den Theaterhimmel...

Umarmung für den Apparat

Einige von uns waren an diesem Abend in Stuttgart. Einige von uns haben gelacht, gegrübelt, geklatscht. Einige von uns haben sich gefragt, warum man sich am Schluss trotzdem nicht anders fühlt als nach einem normalen Theaterabend.

«Einige von uns», so heißt das Projekt der Performancegruppe She She Pop – vor vielen Jahren gegründet von Studenten der Angewandten...

Elegante Konsequenz, keine Kompromisse

Wenn wir schlafen, arbeiten wir», erklärt der freundliche Schlafforscher von der Leinwand in der Creation «EXIT» von Kris Verdonck. «Im Schlaf setzen wir die Teile unserer Erlebnisse zu etwas Neuem zusammen wie ein Schuster einen Schuh.» Das Publikum sitzt und liegt auf Polstern. Eine Tänzerin vollführt eine Bewegungsfolge, die sie über die Dauer einer dreiviertel...