Geisterbeschwörungen
Die Leipziger Spielzeit beginnt mit einem Reenactment. Vor 25 Jahren hat Karl Georg Kayser im Schauspielhaus «Wolokolamsker Chaussee I–V» und «Hamlet» herausgebracht. Heute möchte das Schauspiel teilhaben am historischen Geist von 1989 (damals war man ja eher passiv) und setzt die beiden Geistersonaten wieder auf den Spielplan. Was macht Leipzig heute mit seinen Geistern?
In Thomas Dannemanns «Hamlet» kommt der Geist von Hamlets Vater erst relativ spät auf die Bühne. Und zwar auf einem Dreirad, offenbar als Teil eines Anstaltsausflugs.
Shakespeare überlagert sich mit Romeo Castelluccis «Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn», wo ein Mann seinen inkontinenten Vater pflegt. Hier nun bittet Hamlet (Felix Kramer) seinen pflegebedürftigen Zombie-Vater (Markus Lerch) in den auf die Bühne gesetzten Glaskasten (Bühne: Dannemann) mit drei großen Schiebetüren, und nachdem der seine Todesgeschichte erzählt hat, bleibt der Sohn mit einer Hose voll Scheiße zurück – so viel zum Erbe.
Dannemann genießt es, seinen «Hamlet» als intertextuell verwobenen Abend zu präsentieren. Schon den Start macht Müllers «Hamletmaschine» per Megafon: «Ich bin nicht Hamlet. Mein Drama findet nicht mehr ...
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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Chronik: Leipzig, Seite 57
von Torben Ibs
für Nadeshda
Personen
Wera, die schönste Frau der Welt – ohne es zu wissen
Nadeshda, die Tochter mit den kurzen Haaren
Ljubov, das abgetriebene Kind mit Zöpfen
Konstantin, der Held der Roten Armee ohne Haare
John, der Deutsche aus Amerika mit Haaren aus der Kinderschokoladenwerbung
Imran, der Mann mit grauen Haaren und vielen Blumen darin
Chris, der...
Für den Start von Kafkas «Verwandlung» am Theater Oberhausen möchte man fast mehrere Paar Augen besitzen: Im flächigen Innenraum eines halbfertigen Hauses ist spießbürgerliches Mobiliar ringsum an den Wänden verteilt (Bühne: Zholdak, Tita Dimova).
Ein langer Tisch ragt mit unzähligen fest installierten Handkameras in den Raum hinein. Hier nehmen die Schauspieler...
Karlo Kollmar ist verwirrt. Denn die Zeit steht still im neuen Stück des Kleist-Förderpreisträgers Michel Decar. Gleichzeitig rast sie. Karlo Kollmar erwacht vor drei weißen, comichaft-verzerrten Riesenregalen, auf deren unterschiedlichen Ebenen die Figuren und Requisiten seines Lebens lagern.
Die pinkfarbene Freundin zum Beispiel (Rika Weniger), die ständig den...
