Geht auch ohne Worte

Euripides «Alkestis»

Theater heute - Logo

Dies ist das Protokoll eines übergroßen Unverständnisses, ja eines Nicht- oder vielleicht gar Missverständnisses. Eines lupenreinen Nicht-Verstehen-Könnens, was an einer bestimmten Produktion namens «Alkestis», verfasst von Euripides, inszeniert von Emma Dante, gut sein soll.

Wo, außer im rein Dekorativ-Possierlich-Possenreißerischen, sich denn da ein Sinn verstecken soll?

Gut, dass die antike Götterwelt und sizilianischer Katholizismus in ihrer Kultfixiertheit ohne viel Federlesen irgendwie parallel gesetzt werden können, weil bei beiden offenbar die Vernunft aus- und die immer sehr praktisch einsetzbare Himmelsmacht einsetzt, haben wir begriffen. Etwa nach der zehnten Minute. Und es war klar, dass Emma Dante, die weltweit gefeierte sizilianische Schauspielerin und Regisseurin, die gerne über «Rhythmus», «Instinkt» und «das Animalische» redet, rechtes Fleisch an den bleichen Knochen der Alkestis sehen wollte. Und dagegen wäre ja auch nichts einzuwenden. Denn bei italienischen Regie-Instinkten, die ins Animalische führen, ist ja schon öfter etwas Gutes herausgekommen, ein Fellini oder Pasolini zum Beispiel. 

Emma Dante hingegen haut so richtig drauf auf den malerischen Putz und das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2007
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Simone Meier

Vergriffen
Weitere Beiträge
Showmasters of the Universe

Und einmal ist doch Schluss mit lustig. Schluss mit Blindsein. Schluss mit so tun als ob. Clov reicht es. Der Diener, der eine altgediente Ehefrau ist, verliert die Nerven und die Spielcontenance und schlägt zu: Die spiegelnde Sonnenbrille fliegt Hamm vom Gesicht, und dahinter ist der Blick: der Matthes-Blick, nackt, stier, angstge-peinigt. Und der Schrei: «Lass...

Nach Gutsherrenart

In Memmingen vor einem Jahr hätte es einen veritablen Skandal geben können. Aber irgendwie kam die ganze Sache nie so richtig an die Öffentlichkeit, dann wuchs auch schon Gras drüber, und heute, wenn man die gedeckelte Geschichte noch einmal zur Sprache bringen will, erntet man nur noch ein müdes Lächeln. Auch von denen, die damals direkt beteiligt waren bei den...

Riminis Mimesis

Rimini Protokoll erfindet Theater neu, so könnte man beginnen, wenn man eingeladen ist, als Experte ein großes Lob auf die Preisträger der 32. Mülheimer Theatertage anzustimmen. Und in der Einladung von Experten und ihrer Einbindung in den Rimini-Kontext sind sie erfahren. So versucht der Experte, den Widerspruch aufzulösen, dass «Das Kapital, Ers­ter Band» von...