Fünf Minuten Berühmtheit
Obwohl bereits 1990 von Jacques Lassalle in Paris uraufgeführt, legen die aktuellen Schlagzeilen – Hartz IV!, Reality-TV! – natürlich nahe, «Livesendung» jetzt als deutschsprachige Erstaufführung herauszubringen. Es geht schließlich um Langzeitarbeitslosigkeit und Medieneinfluss. Aber der französische Autor Michel Vinaver hat weder ein Thesenstück noch ein Sozialdrama verfasst. Nahe dran an einer bruchstückhaften Realität sind seine Theaterfiguren, die in Jürgen Bosses zügiger Regie, wie der Titel nahe legt, film- oder eher: TV-schnittartig bearbeitet erscheint.
Rückblenden heben die Chronologie auf. Motivationen bleiben im Halbdunkel. Das Wichtigste wird in Strömen von Text nicht gesagt – manchmal aber doch.
Vinavers Menschen aus Orléans haben keine rettende Jungfrau parat. Es gibt nur eine kleine Gerichtsschreiberin, die ihren Chef, den Herrn Untersuchungsrichter, anhimmelt. Ihre verquersten Träume samt selbstbewusster Deutung offenbart sie ihm, energisch im wippenden Minirock zur Tür stolzierend, um die geladenen Zeugen hereinzubitten; während des Verhörs sitzt sie rigide und aufmerksam mit strenger Miene an ihrem Schreibtisch und verstummt. Ein Pärchen in der Schwebe, eine ...
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Wird Basel Provinz?», fragte das städtische Theater jüngst in einer Podiumsrunde. Und wer die Basler kennt, ihren Stolz auf die ortsansässigen Global Players aus der Pharma- und Kulturindustrie, ihren inneren Drang nach Weltoffenheit, der eine Mischung ist aus Sehnsucht und Selbstdarstellung – der kann sich vorstellen, dass sie keine Antwort auf diese Frage mehr...
Diesen Herbst herrschte in London eine relative New-Writing-Flaute. Außer einer Überraschung kaum ein well written well-written-play in Sicht. Um dem legendär schlechten englischen Wetter gen Jahresende zu entkommen, bot das Londoner Theater stattdessen relativ exotische Ausflugsziele an: die Berge von Theben, eine gute Stube im revolutionären Russland, einen...
Stopp I
Die Dresdner «Weber»-Inszenierung von Volker Lösch hat umfassende juristische Aktivitäten ausgelöst. Ausgangspunkt sind in den Original-Text eingefügte Passagen Dresdner Arbeitsloser, die als Laienchor gegen Hartz IV, Politiker und Besserverdiener wettern, das «Schröderschwein» anprangern, Ministerpräsident Georg Milbradt eine «blöde Sau» nennen und den...
