Frontlinien nah und fern
Zweifellos gehört es zu den gelungenen Inszenierungen der Lilienthal-Kammerspiele, den eigenen Abgang zu einer Querelle des Anciens et des Modernes zu stilisieren, mit sich selbst in der Rolle des unverstandenen Erneuerers und der Münchner CSU-Stadtratsfraktion als kleingeistig kläffenden Kultur-Dackeln mit beschränktem Quoten-Horizont.
Gewiss muss es von außen betrachtet als Supergau der Kulturpolitik erscheinen, wenn der von Kulturreferent Hans-Georg Küppers noch unter Alt-OB Christian Ude und einer sicheren SPD-Mehrheit im Stadtrat berufene Intendant mit dem Auftrag, eine weltoffene und künstlerisch vielseitige Zukunftsvision für das deutsche Stadttheater zu entwickeln, nun angeblich entnervt vom mangelnden Rückhalt für seine Arbeit in der Politik das Handtuch wirft.
Dabei lag auch schon vor dem CSU-Votum, spätestens seit der überraschend vorzeitigen Abwanderung von Hausregisseur Nicolas Stemann und Chefdramaturg Benjamin von Blomberg als neues Intendantenduo des Zürcher Schauspielhauses ab 2019 so etwas wie Ernüchterung in der Luft. Dass Richard Quaas, kulturpolitischer Sprecher der CSU, mit seinem in der Tat provinziell-bornierten Statement, die Zeit der finanziellen und ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 42
von Silvia Stammen
«Warum schweigen Sie denn die ganze Zeit?», fragt die Prüfungskommission der Universität Arizona den 18-jährigen Hal Incandenza mit wachsender Ungeduld. Offensichtlich hat der hochbegabte Tennisnachwuchs nicht nur ein ernst zu nehmendes Kommunikationsproblem, auch Selbst- und Fremdwahrnehmung driften auseinander: «Ich bin hier drin. Ich bin nicht, was Sie sehen.»
...
Auf den ersten Blick strahlt die Situation behagliche Normalität aus: Zwei junge Paare feiern eine Einweihungsparty. Zwischen Kisten und Möbeln stoßen Rachel und Jake mit Kitty und Edward auf deren neues Heim an. Freundschaftlich plänkelt man miteinander und bestaunt das Neugeborene von Edward und Kitty. Doch dann fällt die Frage, was man in letzter Zeit so...
Wenn in der zweiten Maiwoche beim Berliner Theatertreffen Karin Henkels Zürcher Inszenierung «BEUTE FRAUEN KRIEG» zu sehen sein wird, eine Euripides-Kompilation der «Troerinnen» von John von Düffel und «Iphigenie in Aulis» von Soeren Voima, die die Geschichte der Frau als instrumentalisiertes Opfer in von Männern betriebenen Kriegen erzählt, dann könnte ein...
