Frauenzimmerchen!
Für jeden Hotelmanager wäre es eine echte Herausforderung: Quadratmetergroße Wasserflecken auf den kahlen Wänden, die halbe Decke mit durchlöcherter Plastikverschalung hängt absturzgefährdet windschief, der Fußboden sieht aus wie nach einem mittleren Raketenangriff. Die Bruchbude ist keinen halben Stern mehr wert und muss nach gerade überstandenem Krieg dringend aufgemöbelt werden.
Doch Udo Samels Wirt schwebt zur noch vorhandenen Tür herein mit öligem Charme, gesichtszerreißend zufriedenem Grinsen, und trötet auf den Vokalen, als ob die Welt in der komfortabelsten Ordnung wäre. Alles halb so schlimm, signalisiert der darstellernde Wonneproppen, schlimmstenfalls «ein Lustspiel». Mit was auch immer Andrea Breths Inszenierung zu tun hat, Wirklichkeit wird man es kaum nennen können.
Der siebenjährige Krieg, nach dessen Ende «Minna von Barnhelm» datumsgenau spielt, war eine blutige und für Preußen um ein Haar fatale Aggressionskampagne: 7 große Feldzüge, 17 ausgewachsene Schlachten, kleinere Kampfhandlungen sowie Belagerungen nicht mitgerechnet. Danach war die Bevölkerung um über 10 Prozent dezimiert, 180.000 Soldaten und 1500 Offiziere umgekommen, die männlichen Linien ganzer ...
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In Bayreuth werden die Wunden geschlagen, und in der Volksbühne sollen sie heilen. Erst kollidiert Schlingensief 2004 planmäßig mit dem Wagner-Establishment und verarbeitet den Crash dann in allerdings einer seiner besten Inszenierungen und Musiktheaterverbesserungsvorschläge, «Krankheit ALS Theater – A. Hipler: Kunst & Gemüse». Im Jahr darauf wird Marthaler vor...
Eigentlich ist die Mutter der Wildente einfach ein dummes Huhn. Gina hat sich vor 15 Jahren vom ehemaligen Arbeitgeber, dem reichen Werle, schwängern und weiterreichen lassen an den Sohn seines gescheiterten Kompagnons Ekdal, Hjalmar, ein Mann mit hochfliegendem Selbstbild und geringen Energien. Ihm hat sie das Kind Hedwig untergeschoben und führt ihm den...
Für das Theater zu schreiben, ist ein eigenes Ding, und wer es nicht durch und durch kennet, der mag es unterlassen», meinte Goethe am 4.2.1829 zu Eckermann. Diese Maxime ließe sich leicht in «für das Theater zu übersetzen» umformulieren, und leider ist sie noch zutreffender, wenn es um das Schreiben über Theaterübersetzungen geht. Allzu oft gewinnt man den...
