Flugreisende auf Sinnsuche
Eine Million Euro weniger, das ist nicht gut. Gar nicht gut. Sparzwänge sind das Letzte, da gibt es kein Ge-Wenne und kein Ge-Abere. Aber wenn – jetzt ist es raus – aber wenn gespart werden muss, dann so, wie es Olaf Kröck und Jan Hein als neues Leitungsteam der Ruhrfestspiele versuchen. Der ehemalige Hauptsponsor Evonik hatte für das Jahr 2019 massive Kürzungen beschlossen, damals völlig überraschend für Kröck als neuen Intendanten.
Gezwungenermaßen wurde das diesjährige Festival in Recklinghausen unter dem Motto «Poesie und Politik» um eine Woche verkürzt, das Programm ist kompakter (siehe das Gespräch in TH 5/2019), wirkt aber zugleich viel zielgerichteter kuratiert.
Klar fällt zuerst auf, was fehlt. Es sind deutlich weniger Eigen- und Koproduktionen sowie Uraufführungen am Start. Das weit gefasste Fringe-Festival ist drei komprimierten Reihen Neuer Zirkus, Kinder- und Jugendtheater sowie Musik gewichen. Die beliebtesten deutschen Film- und Theaterstars von Dietmar Bär bis Caroline Peters treten nicht in Eigenproduktionen auf, sondern nur noch in eintägigen Lesungen. Und «international» heißt auch nicht mehr, wie in den 13 Jahren unter Frank Hoffmann, den roten Teppich für ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Festivals, Seite 36
von Cornelia Fiedler
Zwei Migranten in McJobs: 30. Stock, Fassadenreinigung. Immerhin ist die Bezahlung gut, auf die andere Seite der Glasfassade, in die Vorstandsetage, wird man es ohnehin nicht schaffen. Und: Man ist sicher vor dem Bürgerkrieg im Heimatland. Allerdings ragen die Auswirkungen des Krieges bis ins 30. Stockwerk: Benjamins Familie wurde im Krieg von Rebellen überfallen,...
SZENE 1 – Niels Monolog
Niels Hallo, guten Abend, mein Name ist Niels Bormann.
Ich möchte mich ganz kurz vorab entschuldigen, dass hier heute ein Stück mit Israelis, Palästinensern und Deutschen stattfindet, das wir schon vor 10 Jahren gemacht haben. Das ist nicht schön. Das tut mir wirklich leid!
Damals an der Schaubühne habe ich damit angefangen, dass ich mich für...
Das Foyer des Bremer Theaters hat sich in ein Pop-up-Restaurant verwandelt. Holztische stehen dicht an dicht, an den Wänden hängen bunte Plakate, arabischer Pop dudelt, hinter einer Bar köchelt scharfe Erdnusssoße. Alles wirkt auf undurchsichtige Weise gleichzeitig koordiniert und improvisiert, ähnlich den Kaschemmen, die man in Asien und Lateinamerika häufig am...
