Fixsterne am Krisenhimmel
Seine seiner ersten Amtshandlungen, erzählt Peter Carp, sei es gewesen, eine großformatige Fotografie an die Außenwand des Theaters am Will-Quadflieg-Platz zu hängen. Nicht Quadflieg, den Oberhausener Mimen, zeigt das Foto: Nein, da sitzen zwei alte Sizilianerinnen auf ihren Klappstühlen mitten auf der Gasse. Die Plakatwand vermittelt nicht nur süditalienisches Flair in einer doch eher tristen Industriestadt am Niederrhein, sondern einen Gestus der Neugier und der gelassenen Erwartung: Dann lasst mal sehen. Eine solche Haltung, will der Intendant sagen, soll belohnt sein.
In Oberhausen, einer der vielberufenen «blutenden Kommunen» des Ruhrgebiets, wird inzwischen so ziemlich das interessanteste Theater der Region gemacht. Ein freches, schräges, ästhetisch riskantes Theater mit einem kleinen, aber hochmotivierten Ensemble – so dass man sich wundert, wo in einer Arbeiterstadt wie dieser das Publikum für gerade so ein Theater herkommt.
Als der Hamburger Peter Carp 2008 von Luzern nach Oberhausen geholt wurde, war bereits eine Spardebatte in Gang gekommen, der der neue Intendant nur ein einziges Argument entgegensetzen konnte: eine überzeugende, überregional beachtete Arbeit. «Im ersten ...
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Theater heute Juli 2010
Rubrik: Theaterland Nordrhein-Westfalen, Seite 6
von Martin Krumbholz
Vor einem halben Jahr hatte Carlo Ljubek einen Unfall. Der Sturz vom Fahrrad und der komplizierte Bruch von Elle und Speiche sei auch Ausdruck seines «Zerrissenheitsgefühls» gewesen, nach «acht Jahren, die ich nur auf Gleisen gelebt habe. Man kriegt sich selbst nicht mehr eingeholt, steigt in Berlin ein und in Wiesbaden oder Köln aus, aber scheint nur als Körper...
Max Glauner Susanne Gaensheimer, Sie sind zur Kommissarin des deutschen Pavillons bei der 54. Biennale von Venedig 2011 ernannt worden, der wichtigsten internationalen Leistungsschau zeitgenössischer Kunst. Nach Christa Kühne, die 1986 den DDR-Beitrag kuratierte und Gudrun Inboden 1997 und 1999 sind Sie erst die dritte Frau in diesem Amt. Wie wird man Kommissarin...
Der Kassandra-Spruch war noch im April gefallen. Hortensia Völckers, die Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, hatte ihn auf der Pressekonferenz zum Berliner Theatertreffen auf die Frage nach der (nicht zuletzt finanziellen) Zukunft des Festivals verkündet: «Der Faden ist gerissen.» Wer noch rätselte, ob die Verbindung zwischen Theater und Gesellschaft im...
