Film: Mut zur Tücke
Schon in der ersten Einstellung ahnt man, wohin der Hase läuft. Triumphierend tippt Jodie Foster alias Penelope Longstreet in den Rechner, dass der zehnjährige Ethan Cowen ihrem Sohn Zacharias auf einem Spielplatz in Brooklyn mit einem Stock zwei Schneidezähne ausgeschlagen hat. (Dass Zacharias und seine Bande Ethan zuvor grob zurückgewiesen haben, notiert sie nicht, aber wir haben es gerade noch im Vorspann wie zufällige Beobachter aus wei-ter Ferne beobachten können.
) Penelope entschärft zwar die ein oder andere Formulierung ihrer Stellungnahme, bevor sie sich tief befriedigt den peinlich berührten Eltern Cowen zuwendet. Doch ihre Selbstgerechtigkeit dürfte die Versöhnung, um derentwillen die Cowens den Gang nach Canossa angetreten haben, noch ein hartes Stück Arbeit werden lassen.
90 Minuten Echtzeit
Tatsächlich hat man das harte Stück nie leichthändiger inszeniert gesehen als hier:
Yasmina Rezas «Der Gott des Gemetzels» hat eine weite Reise unternommen, von Paris über Zürich – wo Jürgen Gosch die deutschsprachige Erstaufführung inszenierte –, von London bis an den Broadway und vor die Augen von Roman Polanski, der umgehend beschlossen haben soll, dass der Stoff fürs ...
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Theater heute November 2011
Rubrik: MAGAZIN, Seite 60
von Eva Behrendt
Leicht hat es das Hamburger Schauspielhaus schon eine ganze Weile nicht. Nach dem abrupten Ende der glücklosen fünfjährigen Intendanz Friedrich Schirmers im September 2010, begründet mit den Einsparungen, die Reinhard Stuth, der kürzest amtierende Kultursenator aller Zeiten, als Highlight seiner sechsmonatigen Amtszeit dem Schauspielhaus verordnete, gelang es den...
Liebes «Theater heute»,
«Mut zur Wut!» war Deine Forderung im diesjährigen Jahrbuch. Dieser Aufforderung
möchte ich unverzüglich Folge leisten und an dieser Stelle meine Wut über die Behandlung einer von Dir leider überwiegend ausgesparten Gattung Theaterschaffender, nämlich die des arbeitslosen, pardon, freischaffenden Schauspielers frank und frei herausposaunen....
Man betritt den Theatersaal und ist verstimmt: Da hängt ein riesiger Spiegel und soll uns allen Ernstes «den Spiegel vorhalten»? Geht’s noch? Dieser Eindruck relativiert sich, wenn der riesige, das Publikum spiegelnde Spiegel plötzlich geneigt wird: Der obere Teil droht auf das Publikum zu fallen, wodurch unten auf der Bühne freier, aber enger Raum entsteht, indem...
