Feuer, Armut und Hölle
Es ist ein Has’ entsprungen. Der Wächter und Chorführer im Horror-Haus der Atriden trägt Hasen-Ohren. In der Nähe des Schauspielers, der wie elektrisch aufgeladen an Strippen hängt und später von seinem Blut überschwemmt wird, steht noch eine putzig kleine Figurengruppe von Vorgarten-Hasen. Beuys und Schlingensief haben das Totemtier, das ikonografisch für den Heiland, für Wiedergeburt, Tod und Auferstehung steht, in ihre Kunst-Religion integriert. Nun auch Romeo Castellucci in seiner erzkatholischen Liturgie des Archaischen.
Nach den «Glieder beschwerenden Gefechten» vor Trojas Mauern kehrt Agamemnon heim, schuldbeladen durch die Opferung seiner Tochter Iphigenie. Der Frevel wird ihn das Leben kosten. An der Rampe des Ruhrfestspielhauses segelt eine Flotte Spielzeugschiffe entlang. Das Festival-Motto im 70. Recklinghauser Jubiläumsjahr lautete «Mare Nostrum?». Europas Geburtswasser wirbelte die Antike, das griechische Erbe, das lateinische Mittelalter, Italiens Hochkultur auf und brach sich in Wellen an den Gegenwartskonflikten.
Nackt, bloß, fett: Castelluccis «Orestie»
Der Filmprojektor auf nachtdunkler Bühne ist als einziges matt beleuchtet. Der Apparat wirft lodernde ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2016
Rubrik: Festivals, Seite 38
von Andreas Wilink
Oliver Frljic ist ein zorniger Mann. Der Intendant des kroatischen Nationaltheaters in Rijeka hat keine Scheu, auf dem Theater unpopuläre Positionen zu beziehen: In «Aleksandra Zec» zum Beispiel thematisiert er die im postjugoslawischen Kroatien schnell verdrängten Greueltaten an den Serben (hier: an einem 12-jährigen Mädchen und ihren Eltern); er kassiert für...
«Meide die Popkultur», riet der Lieder- und Theatermacher PeterLicht einst, «die Popkultur ist nicht gut für uns.» Und der Sänger hatte Recht: Die Popkultur ist eine Fabrik, die Talente einsaugt und Wracks ausspuckt. Zumindest beschreibt Joey Goebel den Komplex in seinem Roman «Torture the Artist» (auf Deutsch 2005 als «Vincent» erschienen) so: Der Held wird als...
Schluss. Aus. Ende. Am 19. Juni ein letzter «Liebestrank», seitdem ist es still im Großen Haus des Theaters Augsburg. Der Grund für die vorzeitige Schließung: Untersuchungen zur geplanten Sanierung förderten bisher unbekannte massive Mängel beim Brandschutz zu Tage. Für Intendantin Juliane Votteler und ihr Team bedeutet das, überstürzt nach Ausweichspielstätten zu...
